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May 16 2018

Film: The Cleaners

Der Film “the Cleaners” erzählt von den dunklen Seiten der Arbeit im digitalen Zeitalter, Zensur für 1$ in der Stunde, damit das Netz “sauber” bleibt.

RBB hat einen Bericht über Filmemacher Hans Block and Moritz Riesewieck im Netz.

May 15 2018

Ausstellung: Dragon Fly Eyes

Ab 10. Juni 2018 im Lehmbruck Museum, Duisburg: Xu Bing. Dragonfly Eyes

Xu-Bing, Dragon Fly Eyes, Videostills, © 2017 Künstler, http://www.lehmbruckmuseum.de/?p=11280

Xu-Bing, Dragon Fly Eyes, Videostills, © 2017 Künstler

Mit enormen Erfindungsreichtum entwickelt Xu Bing eine neue Bildsprache des digitalen Zeitalters, in der reale Begebenheiten aus dem Alltagsleben Chinas sich zu einer übergeordneten Erzählung formieren. In der großen Glashalle des Lehmbruck Museums inszeniert er einen Livestream-Überwachungsraum. 25 Laptops haben hier simultan die Live-Szenen aufgenommen aus denen sein Film entstanden ist.

May 09 2018

Softwarefehler im Straßenverkehr

Das hier ist ein Update zu meinem Essay über das automome Fahren. Wenn das so stimmt, dann ist entscheidendes schief gegangen. Das ändert nichts an meiner Kritik, aber es zeigt, worauf wir uns einstellen müssen, wenn Automaten entscheiden. Nicht das ein Mensch immer besser entscheidet oder schneller reagieren kann, aber Uber und algorithmisierte Autos sind doch nur der Anfang.

Report: Software bug led to death in Uber’s self-driving crash
Sensors detected Elaine Herzberg, but software reportedly decided to ignore her. (arstechnica  8.5.2018):

Uber’s sensors did, in fact, detect Herzberg as she crossed the street with her bicycle. Unfortunately, the software classified her as a “false positive” and decided it didn’t need to stop for her.

April 26 2018

Die Linke, Technologie und ihre Fantasien

Der Artikel The humanist left must challenge the rise of cyborg socialism. (New Statesman, April 2018) bietet ein interessantes Lese- und Denkvergnügen und eine Kritik an neuen Techno-sozialen Konzepten, die verbunden mit einer Begeisterung für neue Technologien an der Überwindung des Menschen arbeiten. Wie und warum die Linke darin eine unklare Stellung hat. Der Autor Jon Cruddas sieht dadurch elementare Werte und Konzepte einer liberalen Demokratie gefährdet.

A new “accelerationist” movement, defined by its embrace of technological determinism, represents a threat to the ethical socialist tradition and liberal democracy.

Nun könnte man sagen, ist doch egal, das Modell ist sowieso am Ende, aber die Konsequenzen, vor allem die Implikationen eines Transhumanismus, gepaart mit einer Art von technologischer Erweckungsfantasien, sind nicht zu unterschätzen und greifen die Fundamente eines demokratischen Zusammenlebens an.

Für diesen Blog ist das deshalb interessant, weil auch Überwachung ein elementarer Teil dieser Technologien ist bzw. damit umgesetzt wird, und die neuen Konzepte von Gesellschaft diese als Selbstverständlichkeiten vorraussetzen und diese auch so angenommen werden, wie ich schon häufiger hier ausgeführt habe unter dem Stichwort “Konsum der Überwachung”.

Undiagnosed by the mainstream media and much of the academic community, a major intellectual renewal is underway across the left. It is energetic and tech-savvy, building platforms such as Novara Media. It maintains a radical, rich heritage within the European left, embraces bold ideas, and is well-organised and networked.

It is fast becoming a new political movement; best captured in influential articles and books discussing “accelerationism”, “postcapitalism” and even “fully automated luxury communism”. It has entered green and radical thinking, and has subtly influenced many political commentators – especially when discussing Universal Basic Income.

Es lohnt sich den Artikel trotz der Länge aufmerksam zu lesen, da ist viel drin für weitere Diskussionen.

April 18 2018

Essay: Autonomes Fahren

Eigentlich wollte ich nur einen kurzen Kommentar zum Uber-Unfall vom 18. März 2018 schreiben. Da mir dann doch ein paar mehr Sachen eingefallen sind, ist daraus ein kleines Essay geworden.

Welche Zukunft ist autonomes Fahren?

Ein Unfall und jede Menge Aufregung – aus den falschen Gründen?

von Nils Zurawski

Ein “autonomes” Fahrzeug tötet in Arizona einen Menschen und die Aufregung ist groß (u.a. FAZ:, 19.3.2018). Das Fahrzeug war von Uber, dem Start-up-Plattform-Multi mit dem kontroversen bis zweifelhaften Geschäftsmodell. Das machte die Aufregung eher größer als kleiner.

Es war nicht der erste Unfall mit einem selbstfahrenden Auto, Tesla hatte zuvor schon einige Unfälle, ähnlich oder anders gelagert. Im Uber-Fall (siehe Telepolis 22.3.2018) wurde eine Frau angefahren und starb. Das ist tragisch, immer wenn ein Mensch stirbt, noch dazu durch eine vermeintlich kontrollierte Technologie. Die genauen Umstände werden wir in Zukunft durch genaue Untersuchungen wissen (Link eingefügt 8.5.2018) – bis dahin müssen wir annehmen, dass das Unternehmen, ja die Technologie insgesamt, die Menschen eher gefährdet als ihnen gut tut. Ohne den Angehörigen der getöteten Frau zu nahe treten zu wollen und ohne ihre Trauer und ihren Schmerz zu mindern, möchte ich einwenden, dass Diskussion über die Sicherheit solcher Fahrzeuge nicht das eigentlich Thema sein dürfte. Auch, aber nicht schwerpunktmäßig. Auf den Straßen der USA starben 2015 rund 35.000 Menschen durch oder mit einer vermeintlich sicheren Technik. Mit Autos, die teilweise vollgestopft sind mit Assistenzsystemen, die Unfälle verhindern sollen, die einen Vorgeschmack auf die so genannten autonomen Fahrzeuge geben können und dennoch nicht verhindern, dass Verkehrsteilnehmer durch die Unachtsamkeit der Anderen, ihrer selbst, durch Technikversagen oder eine Mischung aus allem im Verkehr sterben. In Deutschland waren es in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 3 und 4.000 Menschen. Gemessen an der Bevölkerung ist das weniger als in den USA – doch generell zeigen diese Zahlen, dass die Toten durch autonome Fahrzeuge eine Randerscheinung sind. Die Diskussion könnte man angesichts dieser Zahlen auch als zynisch beschreiben, denn den individuellen Massenverkehr stellt niemand in Frage, wenn zum Beispiel eine 80jährige Frau in Hamburg Bremse und Gas verwechselt (Automatik-Schaltung) und geradewegs in ein Geschäft fährt und dabei Passanten auf dem Fußweg davor an- oder überfährt. Konsequenz: die Geschäfteinhaber bzw. der Bezirk hat Poller vor die Parkplätze gestellt, so dass nun dort die Fahrt enden kann.

Die Verkehrstoten sind auf der anderen Seite die Motivation, Autos immer sicherer zu bauen, eben auch durch so genannte intelligente Assistenzsysteme, deren Vollendung anscheinend im autonomen Fahren selbst zu liegen scheint. Nun ist der Wunsch nach Automatisierung weder neu, noch originell. Beim Autofahren aber trifft er ins Herz unserer Zivilisation, dem individuellen Verkehr, vor allem in den westlichen Industrienationen, in denen Auto-fahren, vor allem in den großen Metropolen, eher Auto-stehen heißen sollte. Von Goethes “Zauberlehrling”, über ETA Hoffmanns “Sandmann”, Shelleys “Frankenstein”, bis hin zu den Kurzgeschichten von Philip K. Dick und anderen hat das Motiv der Automation, der Ablösung der menschlichen Steuerungsfähigkeit oder Notwendigkeit als Motiv in Film, Literatur und verschiedenen Zukunftsvisionen Ausdruck gefunden. Oft als warnendes Motiv, häufig mit katastrophalen Folgen für die Protagonisten, aber immer als ein Nachdenken über die Welt, den Menschen und die conditio humana als solches. Die Bewegung der Trans-Humanisten dürfte das auf die Spitze treiben, indem sie den Menschen selbst überkommen, ihn hin zu einer höheren Sphäre, Macht oder Daseinszustand bringen will. In dem Film 2001 von Stanley Kubrick (feierte gerade sein 50-jähriges Jubiliäum) wurde schon einmal sehr anschaulich gezeigt, wie so ein Kampf um das Überleben zwischen Mensch und menschelnder Machine aussehen kann.

Ganz praktisch sind es bei Uber und Tesla vor allem Geschäftsmodelle und Varianten einer ultra-kapitalistischen Wertschöpfung, die hinter den Ideen stehen – gepaart mit dem Wunsch nach totaler Kontrolle über das Kapital und vor allem die Kunden. Neben den zum Teil tödlichen Folgen von Technologie, die wahrlich keine Neuigkeit sind, müssten bei der Diskussion rund um das autonome Fahren ganz andere Fragen im Mittelpunkt stehen als die Toten (bei allem Respekt). Zu einigen wenigen möchte ich hier ein paar Worte verlieren:

  1. zur Idee autonomer Mobilität;
  2. zu den Formen der Überwachung, die mit einer vernetzten Mobilität sowie der Einbettung in Konzepte von Smart Cities verbunden sind;
  3. sowie zu den Fragen des Konsums und der neuen, alten Sehnsucht nach Domestiken.

1.

Autonomes Fahren verspricht die Zukunft der Mobilität zu sein. Und in der Tat braucht es neue Ideen um Konzepte gegen verstopfte Städte, die klimaschädlichen Abgase und den Flächenverbrauch durch Straßen zu entwickeln. Aber ob das mit dem autonomen Fahren gelingen wird, ist mehr als fraglich. Gepaart mit der Elektromobilität erscheint diese Zukunft allzu verlockend. Über die autonomen Fahrzeuge wird für die nötige Effizienz gesorgt, die in den smarten Städten der Zukunft für einen reibungslosen Ablauf nötig, ist um die diese besser zu organisieren und Klima-schützend auszubauen. Die Elektromobilität reduziert dabei die Abgase und schützt das Klima – vorausgesetzt die Energie kommt aus nachhaltigen Quellen. Doch diese Ideen sind nicht vollends durchdacht, denn die Diskussion über Elektroautos folgt dem bisherigen Modell des Individualverkehrs. Die Verstopfung der Städte ist also nicht gelöst, sondern bloß elektrifiziert. Auch wenn wir die autonomen Fahrzeuge als individuellen ÖPNV verstehen, sind es eher nicht weniger Autos auf der Straße, sondern mindestens gleich viele. Auch die neuen Autobauer wollen verkaufen. Und Autos sind ein individuelles Verkehrsmittel, auch geteilt. Hier werden nicht neue Mobilitätskonzepte vorgestellt, sondern neue Ideen den Individualverkehr mit dem Auto anders zu gestalten. Über andere Fahrzeuge und die vernetzte Mobilität aus Fahrrädern, Bussen, Bahnen, Autos usw. wird dabei leider selten gesprochen.

Dann bleibt noch der Begriff des “autonomen Fahrens” selbst. Ich könnte einerseits behaupten, dass ich immer dann autonom fahre, wenn ich nicht hinterm Lenkrad sitze, also z.B. im Bus, in der Bahn usw., ich also bewegt werde, ohne selbst etwas zu tun. Gemeint ist aber, dass sich ein Fahrzeug, autonom bewegt, ohne mein Zutun. Es geht dabei um die Steuerung der Technologie, nicht um die Autonomie der Insassen, wie man vielleicht fälschlicherweise auch denken können. Vor dem Hintergrund von Einsparungen oder der Effizienz in einer Smart City mag das erklärbar sein, für den Verkehr als solchen ist es das nicht, zumal es sich dabei auch nur um die Autos handelt, nicht um andere Mittel, z.B. Fahrräder, die auch einen Individualverkehr darstellen. Busse oder U-Bahnen, die selbststeuernd oder ferngesteuert fahren, sind zwar mitgemeint, aber die haben auch jetzt bereits festgelegte Routen und eine Infrastruktur, so dass es letztlich um eine Steuerung von Individuen in ihren Fahrzeugen geht.

Um aber autonomes Fahren in den Städten oder auch zwischen ihnen auf Autobahnen umzusetzen, müssen Landschaft und Raum angepasst werden, denn die Technologie braucht Voraussetzungen, die eher denen einer Bahn mit Schienen, denn einer Stadt ähneln, in der der Verkehr auch dann fließt, wenn keine klaren Abgrenzungen, Begrenzungen, Leitlinien usw. vorhanden sind. Autonomes Fahren in einer Stadt wie Lagos oder Delhi sind so einfach eben nicht denkbar. Das Modell ist auf Städte in den USA, Westeuropa oder durchgeplante Smart-City-Entwürfe in aller Welt hin orientiert. Das mag sich in Zukunft ändern.

Im Zuge einer Umgestaltung wäre interessant zu sehen, was in der Übergangsphase passiert, insbesondere wenn es autonome und nicht-autonome Fahrzeuge gibt. Der Organisationssoziologe Charles Perrow hat bereits in den 1980er Jahren in seinem Buch “Normale Katastrophen” gezeigt, wie Technologie und Technik-Unfälle zusammenhängen,* ja in vielen Fällen nahezu unumgänglich sind, gerade wenn alte auf neue Technologien treffen (dort am Beispiel des Radars im Schiffsverkehr).  Die Gleichzeitigkeit von sich selbst-steuernder Technik und den herkömmlich fahrenden Autos könnte zu systemischen Unvorhersehbarkeiten führen, die sich katastrophal auswirken – u.a. dadurch das eben nicht alle miteinander vernetzt und somit zentral kontrollierbar sind. Jede Technologie, inbs. von solcher Größe und Tragweite wie das autonome Fahren, birgt den Unfall bereits in sich, wie es auch der Philosoph Paul Virilio in seinen Ausführungen zur Beschleunigung festgehalten hat (u.a. ZEIT 1.5,1992). Der Traum vom besseren, sicheren Fahren wird sich dadurch eben gerade nicht erfüllen.

2.

Das bringt mich zum zweiten Punkt: der Überwachung. Die Voraussetzungen des autonomen Fahrens ist digitale Vernetzung. Schon jetzt sind Autos fahrende Rechenzentren. Autonomes Fahren impliziert eine Art von Fernsteuerung, im Sinne einer Vernetzung mit der digitalen Umwelt. Autonomes Fahren ist Big Data-Verkehr. In den utopischen Visionen zukünftiger Städte, die effizienter gestaltet werden, in denen dazu per Big Data Energie, Verkehr und Mobilitätsflüsse gesteuert werden müssen, bedeutet das eine nicht unerhebliche Überwachung von Aktivitäten der Bürger, die in einer solchen Umgebung mehr und mehr in die Landschaft, den Raum selbst und die Infrastruktur eingebaut ist und über diese vernetzt, kontrollier-, vor allem aber steuerbar wäre. Das gälte insbesondere für das autonome Fahren, vor allem, wenn “autonom” nicht die FahrerInnen beträfe, sondern das Fahrzeug und damit die Bestimmung über Ziel und Weg. Ob das autonome Fahren zu weniger Verkehrstoten führen würde, ist eine interessante Frage, die aber dann mit einem Preis verbunden wäre, der in der Diskussion bisher eher eine marginalen Stellung inne hat.

Die Effizienz moderner Städte ist ein gewichtiges Argument für ihre smarte Steuerung und in einzelnen Aspekten werden auch schon Maßnahmen umgesetzt, z.B. bei der Energieversorgung. Nun sind Uber, Tesla und die anderen Anbieter der neuen Technologien jedoch keine öffentlich-rechtlichen Unternehmen, sondern Profit-orientierte Kapitalgesellschaften, denen es vor allem um die Kontrolle und den Absatz von Produkten geht. Die Möglichkeit nun auch noch mehr als bisher Verkehrsflüsse zu kontrollieren, zu steuern und eventuell zu manipulieren, greift weiter in ohnehin schon brüchig gewordene Verfahrensweisen von Demokratien ein. Hier zeigt sich der von Shoshana Zuboff so pointiert analysierte Überwachung-Kapitalismus sehr deutlich – vor allem was mögliche gesellschaftliche Konsequenzen angeht.

3.

Nun ließe sich einwenden, dass eine vernetzte Mobilität nichts wirklich Neues mehr ist, autonomes Fahren nur die Konsequenz der digitalen Entwicklung, Überwachung weder neu, noch als Anlass der Kritik originell ist. Da ist etwas dran, aber im Hinblick auf die einen individualisierten ÖPNV gäbe es noch andere Aspekte, die dem autonomen Fahren im Wege stehen könnten, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Die Gründe liegen überraschender Weise im Kapitalismus und der Idee einer individualisierten Gesellschaft selbst.

Der Kapitalismus lebt vom Konsum, der mehr ist als nur der Akt des Kaufens. Konsum bedeutet die Auswahl zu haben und darüber auszudrücken, wer man sein will. Konsum unterstreicht Individualität, ermöglicht Distinktion zu anderen, und ist die Triebfeder des Kapitalismus. Am besten zu sehen ist das in der Werbung, die eben genau mit den Bildern, mit Vorstellungen, Wünschen, Träumen und Hoffnungen spielt.

Dem Auto kommt dabei eine zentrale Rolle zu, ist es doch gleichzeitig Statussymbol, Freiheitsversprechen, Ausdruck von Modernität oder Beweis für eine Lebenshaltung. Die Art des Autos ist mit der Persönlichkeit eng verbunden. Zur Idee des Autos gehört auch die persönliche Autonomie, zumindest hierzulande, aber auch in vielen westlichen Industriestaaten, wahrscheinlich auch darüber hinaus. Ob das autonome Fahren, also das Fahren in einem fernsteuerten Taxi, diese Sehnsucht derzeit in der Masse bedient, ist fraglich. Für die Fans einer digitalen Welt ist das bestimmt der Ausdruck von Zeitgeist und Hypermoderne, mit dem sie zeigen können, wie sie sich von den anderen abheben können. Ob das auch für andere gesellschaftliche Gruppen gilt, wage ich zu bezweifeln.

Das Auto hat seit mehr als 100 Jahren einen nahezu kulthaften Charakter, wobei der Wert auch, aber eben nicht nur vom Preis bestimmt wird. Ein Durchbruch für das autonome Fahren kann nur kommen, wenn der Inhalt der Ikone Auto sich radikal wandelt. Vom Instrument der Freiheit des selbstbestimmten Fahren, des Lebens, des Aufbruchs hin zu einer Idee digitaler Vernetzung in einer automatischen Welt, die für diese Hypermoderne steht. Helfen dabei könnte der Konsumkapitalismus, in welchem es erstrebenswert wird, Herrschaft über die Welt durch Technik vom eigenen Smartphone aus zu organisieren. Gerade die Idee digitaler Domestiken könnte hier greifen. Und schaut man sich die Versprechungen der smarten neuen Welt an, dann nehmen vor allem Dienste und Technologien einen prominenten Platz ein, die den Menschen etwas abnehmen, die etwas automatisch für sie erledigen – zu Hause, beim Fahren, im Leben.

100 Jahre nachdem die Diener in den Gesellschaften des 20. Jahrhunderts mehr und mehr zurückgedrängt wurden (vgl. Bartmann 2016**), findet sich eine neue Mittelschicht, die mit der Digitalisierung genau diesem Distinktionsmerkmal nachzueifern scheint. Man kann sich zwar keinen sozialversicherten Fahrer leisten, aber ein autonomes Auto, in dem man sich auch fahren lassen kann. Kein Taxi, sondern einen elektronischen Diener nur für sich selbst. Die Digitalisierung ermöglicht so neue Distinktionsgewinne. Ob und wie sich diese schöne neue Welt tatsächlich durchsetzen kann, muss abgewartet werden. Klar ist aber schon jetzt, dass Überwachung konsumiert wird, auch wenn sie eben verschleiert als Konsum, als Möglichkeit daherkommt, die eigene Individualität herzustellen.

Vor diesem Hintergrund ist die Tote von Arizona, ist jeder Verkehrstote ein persönliches Drama und ihre Statistik ein gesellschaftlichen Problem, den Kern der Debatte trifft die Empörung darüber aber eben nicht. Der liegt an anderer Stelle, ist gesellschaftlich hoch relevant, leider aber so versteckt und verschleiert, gerade weil es hier um den Kern einer konsumkapitalistischen Verwertungs- und Identitätslogik geht.


* Perrow, Charles. Normal Accidents: Living with High-Risk Technologies. New York: Basic Books, 1984.

** Bartmann, Christoph: Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal. München, Hanser, 2016.

für mehr Infos siehe u.a. Telepolis Thema zum Autonomen Fahren.

Kommissar Google – Datensammeln und Strafverfolgung

Adrian Lobe evaluiert in der Süddeutschen Zeitung, was es bedeutet, wenn Google und die Strafverfolgungsbehörden ihre Zusammenarbeit intensivieren und warum das gravierene Folgen für den Rechtsstaat haben könnte – unser Konsum aber leider der Schlüssel für diese Gefahr ist.

Digitale Kommissare, 17.4.2018

Datensammler wie Google verfolgen jede Regung des Alltags. Für Strafverfolgungsbehörden sind diese Informationen ein Schatz.

Rezension: Evidenzorientierte Kriminalprävention

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Maria Walsh, Benjamin Pniewski, Marcus Kober, Andreas Armborst (Hrsg.): Evidenzorientierte Kriminalprävention in Deutschland. Ein Leitfaden für Politik und Praxis.  Springer VS, 2018.

von Christian Wickert, Hamburg.

April 13 2018

Rezension: Pre-Crime

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Heute mal eine Rezension anderer Art. Simon Egbert hat sich den Film ‚Pre-Crime‘  angeschaut und sich dazu seine Gedanken gemacht und eine sehr informative, aber vor allem informatierte Rezension geschrieben.

Pre-Crime, Buch & Regie: Monika Hielscher & Matthias Heeder, (2017); 87 Minuten; Rise and Shine Cinema, (seit 05. April 2018 als DVD erhältlich; auch als Stream).

von Simon Egbert, Hamburg.

Um es gleich vorwegzunehmen: Trotz löblicher Zielsetzung sowie allerlei interessanter Einblicke und Denkanstöße geht in dem Film einiges durcheinander. Dies bezieht sich einerseits auf die sehr unterschiedlichen Predictive Policing-Systeme, die im Film behandelt werden (PRECOBS, PredPol, HunchLab), sowie anderen Überwachungstechnologien – wie z. B. intelligenter Videoüberwachung und Gesichtserkennungssoftware (beides wird zudem durch die eingebauten filmischen Elemente, wie die Darstellung von Informationen zu den InterviewpartnerInnen im Stile intelligenter Videoüberwachung bzw. facial recognition-Verfahren über-akzentuiert). Ohnehin werden in dem Film zu viele Themen unterschiedslos und unsystematisch miteinander verbunden, wie Predictive Policing, (staatliche) Überwachung, Datenschutz/Privatsphäre, smart homes, Internet der Dinge, minority policing, Daten-Ökonomie (Facebook, Google usw.), citizen scoring (wie in China), Flüchtlingspolitik etc. pp.. Durch diese mangelnde Differenziertheit werden bei den ZuschauerInnen Missverständnisse provoziert, was gegenwärtige Verfahren des Predictive Policing tatsächlich an Daten nutzen (können) und wie prognosebasierte Polizeiarbeit – gerade in Deutschland – gegenwärtig tatsächlich aussieht. Natürlich ist es technisch gesehen relativ problemlos möglich – wie es Yvonne Hofstetter in einer Szene (über-)pointiert vermerkt –, dass in Zukunft auch im Predictive Policing mit personenbezogenen Daten, z. B. per Videokameras inkl. Gesichtserkennung gearbeitet wird (siehe den Pilotversuch der Bundespolizei und der Deutschen Bahn in Berlin), aber das ist nicht gegenwärtiger State of the Art der Anwendung von polizeilicher Prognosesoftware. Im Gegenteil: Es werden im deutschsprachigen Raum hauptsächlich Varianten zur Prognose von Wohnungseinbruchdiebstahl genutzt, die allesamt im Wesentlichen auf Rational-Choice-inspirierte Kriminalitätstheorien rekurrieren und raumbezogen operieren, also Risikoräume vorhersagen und dabei bei der Prognoseerstellung gänzlich ohne personenbezogene Daten arbeiten. Die Implementierung personenbezogener Prognoseverfahren – die mit RADAR-iTE vom BKA durchaus auch in Deutschland schon Realität ist, welches aber kein Datenanalysetool wie z. B. PRECOBS darstellt – ist hier aber schwieriger durchzusetzen als z. B. in den USA, da der Sicherheitsdiskurs dort deutlich anders funktioniert bzw. der Datenschutz dort eine deutlich untergeordnetere Rolle spielt. In Deutschland gibt es eine mächtige Datenschutz-Lobby, die durchaus in der Lage ist, hemmungslosen Sicherheitsfantasien von VertreterInnen staatlicher Sicherheitsbehörden diskursmächtig Paroli zu bieten. Deshalb sind solche personenbezogenen (und andere) Erweiterungen von Predictive Policing in Deutschland kein Selbstläufer und entsprechend vor dem jeweiligen Landeshintergrund differenziert zu behandeln. Nicht zuletzt seit den Anschlägen von 9/11 ist in den USA die Einführung von Technologien, die (minimale) Sicherheitgewinne versprechen, quasi widerstandslos umzusetzen, weshalb dortige Realitäten nicht bruchlos als Zukunftsfolie für deutsche Verhältnisse herangezogen werden können. Zudem muss betont werden, dass die ‚Strategic Subject List‘ der Polizei Chicago auch in den USA eine Ausnahme bildet und nicht repräsentativ für die dortige Predictive Policing-Anwendung ist. Kurzum: Es hat insgesamt dem Informationsgehalt des Films nicht gutgetan, Prädiktionstechnologien in unterschiedlichen Ländern parallel zu behandeln.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Geschichten im Film werden tendenziell von der denkbar schlimmsten (Zukunfts-)Perspektive aus erzählt, weshalb kein realistisches Bild von Predictive Policing – auch auf die USA bezogen – vermittelt wird. In Teilen neigt der Film in der Folge zu (Über?)Dramatisierungen. Dies schadet wiederum der mit dem Film intendierten Debatte um die freilich mannigfaltig vorhandene Risiken von Big Data-Technologien im Bereich der Strafverfolgung und Strafrechtspflege, da sie sich vor allem auf antizipierte und nicht gegenwärtige Probleme von Predictive Policing konzentriert. Dazu passt, dass zwar die Nutzung von PRECOBS in München auf der Straße, also das konkrete Polizieren der prognostizierten Risikoräume, gezeigt wird, dabei aber nicht kritisch reflektiert wird, was das räumliche Risikolabel für das Verhalten der PolizistInnen in ebendiesen Gebieten an (negativen) Folgen zeitigen kann – indem sie beispielsweise offensiver kontrollieren und verstärkt die ‚üblichen Verdächtigen‘ kontrollieren, also Racial Profiling betreiben. In Bezug auf diese Szene ist ferner zu konstatieren, dass der Film mit notwendigen Kontextinformationen spart. Denn es bleibt undurchsichtig, in welchem konkreten Zusammenhang die Kontrolle gefilmt wurde, z. B. ob die kontrollierte Person instruiert war. Dies gilt ebenfalls für den Präventions-Besuch der Chicagoer Polizei bei Robert McDaniel, der als Mitglied der Strategic Subject List porträtiert wird und den Aufhänger des Films bildet. Bei seiner ‚Gefährderansprache‘ wird nicht deutlich, ob es sich bei den BesucherInnen um Schauspieler oder Abgesandte der real beteiligten Institutionen handelt. Dies überrascht, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des dokumentarischen Kontext des Films, in negativer Weise. Konvergent dazu ist die Tatsache, dass zu der Auswahl der interviewten Personen – sofern sie nicht als FunktionsträgerInnen mit institutioneller Anbindung angesprochen werden – kaum Kontext-Angaben gegeben werden und überdies deren Aussagen nicht durch das Referieren anderen Quellen überprüft bzw. bestätigt werden. Die Stellungnahmen des Kriminalreporters aus Chicago, Jeremy Gorner, beispielsweise sind kaum zu evaluieren und demnach ad hoc nicht ob ihrer Richtigkeit einzuschätzen. Es ist für die ZuschauerInnen ferner nicht ersichtlich, warum gerade dieser Gesprächspartner einen zuverlässigen und/oder kompetenten empirischen Einblick über Predictive Policing-Maßnahmen zu vermitteln im Stande ist. Die Schilderungen wiederum des britischen (Nicht?)Gangmitglieds ‚Smurfz‘ sind teilweise schlicht nicht glaubhaft. Sechs Jahre Gefängnis für eine Songzeile? Auch in Großbritannien herrscht Rechtsstaatlichkeit, jedenfalls sind mir anderweitige Informationen nicht zu Ohren gekommen; die von ihm geschilderte Vorgehensweise seitens der britischen Polizei bzw. Justiz ist nur schwer vorstellbar und wird obendrein durch das Filmteam nicht überprüft.

Die Anmerkungen des Juraprofessors Andrew Ferguson indes sind sehr aufschlussreich – dessen Monografie ‚The Rise of Big Data Policing‘ ist im Übrigen im vergangenen Oktober erschienen und stellt die bis dato einzige Beschäftigung mit Predictive Policing in Buchlänge dar. Gerade in Bezug auf die von ihm konstatierte zunehmende „Datenkonvergenz“ zwischen staatlichen Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen – wie z. B. Google oder Apple – und die dahinterstehenden ökonomischen Rationalitäten sind seine Ausführungen überaus instruktiv. Dies gilt ebenfalls für die von ihm aufgeworfene Problematik, warum es per definitionem mit Exaktheitsproblemen verbunden ist, wenn man die Massendaten von z. B. Google auf einzelne Wohnobjekte oder Personen zentriert, da erstere nicht perfekt sein müssten und dies auf Einzelfälle bezogen aber erhebliche Probleme bereiten könne (wenn die Polizei beispielsweise zu einem Haus bzw. deren BesitzerInnen falsche, weil auf Grund von Umzug veraltete Risikowerte vorliegen hat). Die juristischen Problematiken, die mit prognostischem Wissen per se in straf- und polizeirechtlichen Kontexten einhergehen, die von Ferguson am Ende angedeutet werden, hätten dabei aber intensiver besprochen werden können.

Auch die Einlassungen des (Technik-)Soziologen Bilel Benbouzid sind überaus spannend, z. B. hinsichtlich der Verschiebung polizeilicher Tätigkeit von reaktiven zu proaktiven, primär präventiv motivierten Formen. Auch seine Erläuterungen zum seismologischen Ursprungskontext des Algorithmus von PredPol sind aufschlussreich, wobei ein paar seiner Argumente nur in spezifischen prognostischen Anwendungsformen Gültigkeit haben. So beispielsweise in Bezug auf die These, dass die prognostische Datenbasis der Polizeien stets verzerrt sei und daraus sicherheitsbezogene Ungleichbehandlung der BürgerInnen entspringen würden, da die PolizistInnen auf Grund der Prognosen immer in die gleichen (Risiko-)Gegenden führen und eben nur dort für Sicherheit sorgten. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl aber – der gegenwärtig im deutschsprachigen Raum im Fokus von polizeilicher Prognosesoftware steht und auch weltweit die dominante Anwendungsform ist – trifft das so nicht zu, da die Anzeigequote überdurchschnittlich hoch ist, da nur per Anzeige auch der Versicherungsschutz greift. Dies gilt natürlich auch für benachteiligte Personen, die entsprechend ebenfalls Besuch von der Polizei bekommen und deren Wohngebiet somit – in der Argumentationslogik Benbouzids – ebenfalls zum Schutzraum werden kann. Zudem unterschlägt dieses Argument, dass gerade in sozial schwachen Gegenden ohnehin starke Polizeipräsenz herrscht, insbesondere in denjenigen Gebieten, die polizeilicherseits als ‚Hot-Spots‘ definiert werden (ob damit von den betreffenden BewohnerInnen konkrete Sicherheitsgewinne verbunden werden, kann ohnehin bestritten werden).

Der Film gewährt auch interessante empirische Einblick. Beispielsweise durch die Aussagen von Mark Johnson, dem (mittlerweile) ehemaligen Chef der Kriminalitätsanalysestelle der Polizei Kent, die das System PredPol mitentwickelt hat. Dieser stellt anschaulich dar, was die Attraktivität eines Prognosesystems für Polizeien darstellt (Komplexitätsreduktion, Rationalisierung der Streifenallokation, Zeitvorteile) und zeigt auf diese Weise zudem, wie ähnlich das System PredPol zum hiesigen Marktführer PRECOBS ist – ein Umstand, der im Film indes nicht thematisiert wird (es wird gar suggeriert, das PredPol und PRECOBS unterschiedlich theoretisch – routine activity approach vs. near-nepeat-victimisation – fundiert sind, was aber nicht der Fall ist). Auch die Ausführungen von Günter Okon, Chef der Kriminalitätsanalysestelle des Bayerischen Landeskriminalamts sind lehrreich, da er den Grundansatz von PRECOBS und des near-repeat-Ansatzes verständlich darlegt. Neu war für mich ferner die Gang-Datenbank ‚Matrix‘ in London, sowie das System ‚Beware‘, welches in Fresno benutzt wird und neben dem vernetzten Zugriff auf zahlreiche Datenquellen auch die Durchsuchung von social media-Inhalten ermöglicht. Auch die detaillierte Darstellung der Funktionsweise der vergleichsweise avancierten Predictive Policing-Technologie ‚HunchLab‘ ist erhellend, insbesondere die algorithmisch vorgeschlagenen Strategievorschläge und Relevanzberechnungen, die sehr stark in die jeweiligen Polizeipraktiken eingreifen, sind bemerkenswert. Der Film einhält also durchaus wichtige und neue Erkenntnisse und ist somit in der Tat ein wichtiger Impuls zur gesellschaftliche Thematisierung von Predictive Policing und der Nutzung von Techniken der Datenanalyse in den Kontexten von Strafverfolgung und Strafrechtspflege.

Alles in allem krankt der Film aber vor allem daran, dass er keine (reine) Dokumentation ist, sondern irgendwas zwischen Dokumentation und Spielfilm, auf jeden Fall mit zahlreichen Fiction-Anteilen versehen. Gerade in diesem Zusammenhang empfinde ich die Thematisierung des Spiels ‚Watch Dogs‘ als verzerrend und unverständlich. Warum ein futuristisches, überdies sehr überspitztes Beispiel nehmen, wenn es so viele reale Exempel gibt? In diesem Kontext ist auch der Untertitel des Films („Willkommen in deinem Minority Report“) kritisch zu sehen, da er falsche Assoziationen provoziert, indem eine prognostische Präzision gemäß der ‚Precogs‘ aus der Kurzgeschichte Philipp K. Dicks bzw. der deutlich bekannteren Verfilmung ebendieser von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002 suggeriert wird, die wenig mit der gegenwärtigen – und zukünftigen! – Realität von predictive analytics bzw. Predictive Policing zu tun hat.

Der Film will eine gesellschaftliche Debatte initiieren; das ist ein ehrbares Motiv. Man sollte sich aber die Frage stellen, ob diese Debatte nicht umso nachhaltiger gewesen wäre, je mehr sie sich der Film auf die Gegenwart bezöge. Die aktuellen – freilich vergleichsweise unspektakuläreren – Formen des Predictive Policing, wie z.B. mit der Near-Repeat-These per PRECOBS (z. B. in Bayern und Zürich), werden nur untergeordnet behandelt und damit die bereits gegenwärtigen Probleme aktueller Formen des Predictive Policing – wie z. B. die offensivere Kontrolltätigkeit in Risikogebieten – nicht ausreichend thematisiert. Zudem wäre eine differenziertere und ausgewogenere, weniger von Worst-Case-Szenarien geleitete Darstellung von Predictive Policing wünschenswert und eine konkretere Fokussierung des Filmthemas sachdienlich gewesen, da schlicht zu viele Themen und Problemherde auf einmal verhandelt werden.

Simon Egbert, Hamburg

 

April 04 2018

Neue Ausgabe von Surveillance & Society

Jftsang at English Wikipedia, via Wikimedia Commons.)New Issue: Volume 16, Number 1 (2018)

Hier ein paar Stichworte zum Inhalt:

  • Algorithmic Fetishism (Torin Monahan)
  • It’s the Camera! A Special One: The Smartboxing of Image Processing Algorithms and their Uncertainties in Media Representations of Surveillance Technology (Christoph Musik)
  • Crowdsourced Countersurveillance: A Countersurveillant Assemblage? (Mark Andrew Wood and Chrissy Thompson)
  • Security against Surveillance: IT Security as Resistance to Pervasive Surveillance (Mike Zajko)
  • The Eyes of Law Enforcement in the New Panopticon: Police-Community Racial Asymmetry and the Use of Surveillance Technology (Josh A. Hendrix, Travis A. Taniguchi, Kevin J. Strom, Kelle Barrick, and Nicole J. Johnson)
  • The All-Seeing Eye of State Surveillance in the Italian Football (Soccer) Terraces: The Case Study of the Football Fan Card (Alberto Testa)
  • Soiveillance: Self-Consciousness and the Social Network in Hideaki Anno’s Love & Pop (Jeeshan Gazi)

April 02 2018

Der Skandal um Cambridge Analytica

Anstatt eines Kommentars zu Cambridge Analytica, hier ein sehr treffender Artikel mit dem treffenen Titel: Cambridge Analytica: the outrage is the real story. Bereits Karl Krauss wusste, das der Skandal dann beginnt, wenn die Polizei ihm ein Ende bereitet.

But what did we really think would happen when the worst aspects of Silicon Valley, a cynical Etonian establishment, reactionary Anglo-American nationalism and hedge-fund capital found each other? As Mark Fisher once said, “Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.”
“Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.” […] Perhaps a more important question to ask is: why do we carry on being shocked when social media’s centrality in our attention and emotional lives doesn’t go well for us?

Die Frage allerdings finde ich auch nicht so überraschend. Der Analyse folge ich, für eine Antwort hätte ich das Stichwort vom Konsum der Überwachung bereit (hier im Blog bereits einige Male angesprochen).

Aktuell dazu ein Interview beim Deutschlandfunk in Kultur Heute (2.4.2018): Überwachung als Fürsorge (trifft es auch, aber nicht ganz)

<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');</script><![endif]--> http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/04/02/ueberwachung_als_fuersorge_kultur_und_netzsoziologe_nils_dlf_20180402_1746_f4218ba7.mp3

 

March 29 2018

Algorithmic Sovereignty

Ich glaube diese Arbeit ist auch für dieses Blog interessant.

Algorithmic Sovereignty ist eine Doktorarbeit von Dennis Roio.

In this dissertation you’ll find some analyses that may be applied to
the case of FB/CA, but are also related to realities as that of Tor’s
development or SAP’s company policies or PokemonGO or last but not
least ARAIs used by law enforcement to preemptively profile criminals,
a debate in the US which always focused on “datasets” but has barely
touched the consideration of algorithms behind. (Jaromil aka Dennis Roio explaining his dissertation in a list post to air-l.)

Narrative der Überwachung (Passau, 12.4. – 5.7.2018)

Ringvorlesung: Narrative der Überwachung (Passau, 12.4. – 5.7.2018)

Interdisziplinäre Ringvorlesung, Sommersemester 2018, Donnerstags, 18 Uhr c.t., HS 2 Von Benthams Panopticon über Orwells 1984 und Eggers The Circle bis hin zur Weltraumtheorie des BND: Nicht erst seit den Enthüllungen Edward Snowdens gibt es eine Vielzahl von Motiven und Erzählungen der Überwachung, die kulturelle Verhandlungen und Vorstellungen von Sicherheit und Freiheit prägen. In einer Ringvorlesung legen Gastwissenschaftler-Innen aus dem Bereich der Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften Grundzüge dieser Narrative dar.

Dabei werden filmische und literarische Klassiker vorgestellt, Darstellungen und Praktiken digitaler (Selbst-)Überwachung besprochen und Bezüge zu Überwachungsnarrativen in der Geschichtswissenschaft oder der Politik hergestellt.

Programmflyer

Programm

Donnerstag, 12. April 2018
Prof. Dr. Hans Krah, Dr. Martin Hennig, Passau
Typologie, Kategorien, Entwicklung von Überwachungsnarrativen: Zur Einführung

Donnerstag, 19. April 2018
Dr. Kai Fischer, Bochum
„Big Brother is always watching“ – Utopie und Überwachung

Donnerstag, 03. Mai 2018
Dr. Dominik Orth, Wuppertal
Kontrolltechnologien in filmischen Dystopien nach 1984

Donnerstag, 17. Mai 2018
Dr. Dietmar Kammerer, Marburg
Give them something to watch. Überwachung als Motiv in der Werbung

Donnerstag, 24. Mai 2018
Prof. Dr. Maren Conrad, Erlangen-Nürnberg
Adoleszenz zwischen Algorithmus und Big Data in der aktuellen Jugendliteratur

Donnerstag, 07. Juni 2018
Dr. Marcel Schellong, München
Stanley’s Panopticon – Kontrolle als Motiv und Prinzip des Computerspiels

Donnerstag, 14. Juni 2018
Dr. Thomas Christian Bächle, Bonn
Predictive Policing, Computational Propaganda, Counter Surveillance – Praktiken und Projektionen der digitalen Kontrollgesellschaft

Donnerstag, 21. Juni 2018
Christian Flisek (SPD), Passau
Der Fall Edward Snowden – politische Überwachungsnarrative auf dem Prüfstand

Donnerstag, 28. Juni 2018
Miriam Piegsa, Passau
Untergangsstimmung im ‚Bildungsfernsehen‘– Überwachung in der deutschen Dokumentation

Donnerstag, 05. Juli 2018
Lukas Edeler, Passau
Dimensionen von Privatheit und Persönlichkeit im sozialistischen Leipziger Raum der 1980er Jahre

Wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. Hans Krah
Lehrstuhl für Neuere Deutsche
Literaturwissenschaft
Fon: +49 851 509-2770
E-Mail: Hans.Krah@uni-passau.de <mailto:Hans.Krah@uni-passau.de>

Organisation und Kontakt
Dr. Martin Hennig
DFG-Graduiertenkolleg 1681/2
„Privatheit und Digitalisierung“
Fon: +49 851 509-3297
E-Mail: Martin.Hennig@uni-passau.de <mailto:Martin.Hennig@uni-passau.de>

March 28 2018

Texte zu Polizei und Videoüberwachung

Der geschätzte Kollege Peter Ullrich vom Berliner Institut für
Protest- und Bewegungsforschung hat zwei neue Texte online gestellt, die es zu lesen lohnt.

  1. Ullrich, Peter. 2018. Researching Police in/under Protest. Police Research as a Journey of Discovery with Obstacles. Berlin: Institut für Protest- und Bewegungsforschung.
  2. Ullrich, Peter. 2018. Videoüberwachung von Demonstrationen und die Definitionsmacht der Polizei. Zwischen Objektivitätsfiktion und selektiver Sanktionierung. Berlin: Technische Universität

Vorlesungsreihe zu Anonymität

Die Vorlesungsreihe “Querblicke” der HafenCity University beschäftigt sich in diesem Sommer mit Anonymität.

Die Anonymity Research Group ist Partner und mit 4 Beiträgen vertreten, weiterhin Jan Schmidt vom Bredow Institut und Ingrid Schneider von der Uni Hamburg.

 

March 27 2018

Surveillance Studies Konferenz

Die Anmeldung für die SSN-Konferenz 2018 in Aarhus ist jetzt geöffnet.

Surveillance Beyond Borders and Boundaries

Der Frühbucherrabatt endet am 15. April!

February 01 2018

Predictive Policing, Immigration und Silicon Valley

Über Predictive Policing, die vorausschauende Polizeiarbeit wird derzeit viel geredet. Geht das, geht das nicht? Was heißt Vorhersagen, was passiert da und wie sicher sind diese Algorithmen. U.a. hat Simon Egbert dazu einen sehr schönen Vortrag in der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft gehalten (am 8.1.2018).

Die Software hinter vielen Programmen dieser Art digitaler, post-moderner und zukünftiger Polizeiarbeit sollte dabei nicht nur im Hinblick auf die Algorithmen betrachtet werden, sondern auch hinsichtlich sonstiger Nutzung und der mit ihnen verbundenen ökonomischen und politischen Macht.

Mehrere Geschichten haben im letzten Jahr die Zusammenhänge zwischen Palantir, der Firma von Peter Thiel, welche die Daten für viele der Anwendungen bereit stellt, dem Migrationsprogramm Donald Trumps und der Polizei thematisiert. Hier einen Blick drauf zu werfen lohnt sich sehr.

Wired: How Peter Thiels Secretive Data Company pushed into Policing 8.9.2017.

Peter Thiel ist deshalb interessant, weil er eher am rechten Rand des Silicon Valleys steht, mit durchaus totalitären Ideen digitaler Herrschaft und einer bisweilen verächtlichen Haltung zu traditionellen Ideen der Demokratie, Mitbestimmung. Seine Technikfantasien haben durchaus einen Erlösungscharakter (siehe kritische Auseinandersetzungen z.B. bei FAZ oder Society Pages)

The Intercept hatte bereits im März 2017 dazu zwei Geschichten

Slate griff das ganze im August 2017 wieder auf: ICE Wants to Use Predictive Policing Technology for Its “Extreme Vetting” Program. 

Slate nennt nicht Thiel, dafür aber die die predictive policing-Ansätze, die auch von anderen Tech-Giganten aufgegriffen werden, da hier ein wohl noch offener Markt mit großem Potenzial liegt.

Generelles zu dem Thema ist von Andrew Guthrie Ferguson, in seinem Buch  The Rise of Big Data Policing: Surveillance, Race, and the Future of Law Enforcement (NYU Press 2017) geschrieben worden (hier ein Auszug bei The Crunch,22.10.2017).

Dazu passt auch der Report der Rand Corp: An Intelligence in Our Image. The Risks of Bias and Errors in Artificial Intelligence.

Aus diesen Analysen, Reportagen und Recherchen ergeben sich eine Reihe von Fragen für die Auseinandersetzung mit predictive policing im Allgemeinen, aber auch und vor allem mit den Hintergründen der Software, dem Surveillance Capitalism (Zuboff) und was es bedeutet, wenn Unternehmen immer mehr Einfluss auf die Ausgestaltung politischer Ideen bekommen, insbesondere im Bereich Justiz, Polizei, Sicherheit. Wir leben in einem digitalen Zeitalter, da sollten uns die Intstanzen der Normgestaltung besondern interessieren, denn wie das Beispiel Peter Thiel, aber auch andere zeigen, ist Profit und nicht notwendigerweise Rechtsstaatlichkeit die Motivation eines Engagements. Dass Polizei, Staat und Justiz darauf zurückgreift ist klar, aber wie auch gezeigt wurde und wahrscheinlich in der Zukunft noch öfter klar werden wird, werden Konsequenzen einer solchen Vermengung von Interessen nicht genügend reflektiert. Dabei geht es um nicht mehr als um die Möglichkeiten von Herrschaft, ihrer Kontrolle, der Partizipation der Bürger an dieser Herrschaft (und Kontrolle) sowie dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit.

January 30 2018

Preisverleihung und Lecture 2018

Am 29.1. 2018 wurden in Hamburg die Surveillance-Studies-Preise 2018 vergeben.

Hier sind einige Bilder von der Veranstaltung, Infos zu den Gewinnern und den Beiträgen.

Surveillance Studies Lecture 2018: Prof. Dr. Ingrid Schneider, Fb Informatik der Universität Hamburg (im Rahmen der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft): Big Data und Diskriminierung.

<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');</script><![endif]--> http://www.surveillance-studies.org/guest/20171120Daten_Ringvorlesung.mp3

 

Der Preis an Harald Schumann und Elisa Simantke wird von den beiden im Namen der Redaktion und des Teams von Investigate Europe angenommen, da es sich bei der Arbeit um ein Gemeinschaftsprojekt von neun (9) Journalisten aus Europa handelt.

Die Laudatio für den Beitrag “Grenzenlose Überwachung” war von Antje Möller frei gehalten, deshalb nicht erhalten.

Der zweite Gewinnerbeitrag von Jasmin Klofta und Svea Eckert kann in der Mediathek der ARD angesehen werden.  Nackt im Netz: Auch intime Details von Bundespolitikern im Handel. (Panorama 3.11.2016)

Großen Dank an Florian Rötzer und telepolis für das Preisgeld.

Laudatio von Nele Heise für Erich Moechel, der eine besondere Erwähnung der Jury bekommen hat:

Erich Möchel zählt zu den Pionieren des IT-Journalismus in Österreich. Seit 1983 ist er für diverse Medien wie Falter, Radio Ö1, der Standard, heise.de, Telepolis oder FM4 tätig. 1999 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des IT-Nachrichtenkanals futurezone.orf.at, für den er auch als Ressortleiter tätig war.

2014 konnte Erich Möchel in monatelanger Recherche, basierend auf den Snowden-Dokumenten, die Aktivitäten der NSA in Österreich dokumentieren. Die Liste zu seinen Recherchen, Artikeln und Vorträgen ließe sich ewig weiterführen. Das ist nicht nur seiner langen “Dienstzeit” geschuldet, sondern auch seinem unermüdlichen Streben, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, Themen über einen längeren Zeitraum zu begleiten und auch technisch anspruchsvolle Aspekte für die Leserinnen und Leser aufzubereiten.

Hinzu kommt sein Engagement abseits des Journalismus. So hat er u. a. 1996 den Verein quintessenz zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter mitbegründet und hält regelmäßig Vorträge zu den Themen Datenschutz und Datensicherheit, automatisierte Überwachung und digitale Bürgerrechte.

Beeindruckt hat die Jury die Konsequenz mit der er Themen verfolgt, die Erfahrung, die ihn nicht jedem digitalen Knochen nachlaufen lässt, und die anhaltende Begeisterung, mit der er über Themen, denen er auf der Spur ist, berichtet. Fest steht: Erich Möchels journalistische Beiträge sind ein wertvoller Bestandteil (und für manch einen wohl auch ein Stachel) der österreichischen Berichterstattung. Das zeigt u. a. seine Artikelreihe zur geplanten Einführung eines “Bundestrojaners” nach deutschem Vorbild, die er im Sommer 2017 für den Jugendsender Radio FM4 verfasste. Die Beiträge fanden ein großes Medien-Echo, was Möchel selbst auch darauf zurückführt, dass sich außer ihm “niemand die Zeit genommen [hatte], auch die Erläuterungen zum an sich sehr dürren Gesetzestext zu lesen.” Letztlich scheiterte das sog. “Sicherheitspaket” der österreichischen Koalition v. a. an der Trojanerfrage – ein Erfolg auf Zeit, wie Möchel selbst betont. Aber auch ein Beleg dafür, dass sich das konsequente Dranbleiben, Nachbohren und genaue Hinschauen lohnt.

Aus Sicht der Jury stehen diese versiert recherchierten Analysen exemplarisch für Möchels jahrelange hochwertige Arbeit und kritische Berichterstattung zu technologischen und politischen Zusammenhängen der Überwachung. Die Jury ist der Auffassung, dass wir gerade angesichts eines sich nicht nur in Österreich verschärfenden gesellschaftlichen und politischen Klimas, einen solch analytisch fundierten, ausdauernden und einordnenden Journalismus brauchen. Daher spricht die Jury des Surveillance Studies-Preises 2018 eine besondere Erwähnung für die journalistischen Leistungen von Erich Möchel aus.

Reposted by02mydafsoup-01paket

The Verge: Künstliche Intelligenz befeuert Überwachung

Lesenswerter Artikel: Artificial intelligence is going to supercharge surveillance (The Verge. 23.1.2018)

What happens when governments can track huge numbers of people using CCTV? When police can digitally tail you around a city just by uploading your mugshot into a database? Or when a biased algorithm is running on the cameras in your local mall, pinging the cops because it doesn’t like the look of a particular group of teens?

Wie immer gilt: Man darf die Behauptungen der Tech-Industrie (oder jeder anderen…) nicht allzu wörtlich nehmen; schönerweise lässt der Artikel ja auch Skeptiker- und Kritikerinnen zu Wort kommen.

Reposted byp12502mydafsoup-01
teleschirm

U.S. soldiers are revealing sensitive and dangerous information by jogging


www.washingtonpost.com on Jan 29, 2018:

An interactive map posted on the Internet that shows the whereabouts of people who use fitness devices such as Fitbit also reveals highly sensitive information about the locations and activities of soldiers at U.S. military bases, in what appears to be a major security oversight.

The Global Heat Map, published by the GPS tracking company Strava, uses satellite information to map the locations and movements of subscribers to the company’s fitness service over a two-year period, by illuminating areas of activity.

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