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April 18 2018

Rezension: Evidenzorientierte Kriminalprävention

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Maria Walsh, Benjamin Pniewski, Marcus Kober, Andreas Armborst (Hrsg.): Evidenzorientierte Kriminalprävention in Deutschland. Ein Leitfaden für Politik und Praxis.  Springer VS, 2018.

von Christian Wickert, Hamburg.

April 13 2018

Rezension: Pre-Crime

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Heute mal eine Rezension anderer Art. Simon Egbert hat sich den Film ‚Pre-Crime‘  angeschaut und sich dazu seine Gedanken gemacht und eine sehr informative, aber vor allem informatierte Rezension geschrieben.

Pre-Crime, Buch & Regie: Monika Hielscher & Matthias Heeder, (2017); 87 Minuten; Rise and Shine Cinema, (seit 05. April 2018 als DVD erhältlich; auch als Stream).

von Simon Egbert, Hamburg.

Um es gleich vorwegzunehmen: Trotz löblicher Zielsetzung sowie allerlei interessanter Einblicke und Denkanstöße geht in dem Film einiges durcheinander. Dies bezieht sich einerseits auf die sehr unterschiedlichen Predictive Policing-Systeme, die im Film behandelt werden (PRECOBS, PredPol, HunchLab), sowie anderen Überwachungstechnologien – wie z. B. intelligenter Videoüberwachung und Gesichtserkennungssoftware (beides wird zudem durch die eingebauten filmischen Elemente, wie die Darstellung von Informationen zu den InterviewpartnerInnen im Stile intelligenter Videoüberwachung bzw. facial recognition-Verfahren über-akzentuiert). Ohnehin werden in dem Film zu viele Themen unterschiedslos und unsystematisch miteinander verbunden, wie Predictive Policing, (staatliche) Überwachung, Datenschutz/Privatsphäre, smart homes, Internet der Dinge, minority policing, Daten-Ökonomie (Facebook, Google usw.), citizen scoring (wie in China), Flüchtlingspolitik etc. pp.. Durch diese mangelnde Differenziertheit werden bei den ZuschauerInnen Missverständnisse provoziert, was gegenwärtige Verfahren des Predictive Policing tatsächlich an Daten nutzen (können) und wie prognosebasierte Polizeiarbeit – gerade in Deutschland – gegenwärtig tatsächlich aussieht. Natürlich ist es technisch gesehen relativ problemlos möglich – wie es Yvonne Hofstetter in einer Szene (über-)pointiert vermerkt –, dass in Zukunft auch im Predictive Policing mit personenbezogenen Daten, z. B. per Videokameras inkl. Gesichtserkennung gearbeitet wird (siehe den Pilotversuch der Bundespolizei und der Deutschen Bahn in Berlin), aber das ist nicht gegenwärtiger State of the Art der Anwendung von polizeilicher Prognosesoftware. Im Gegenteil: Es werden im deutschsprachigen Raum hauptsächlich Varianten zur Prognose von Wohnungseinbruchdiebstahl genutzt, die allesamt im Wesentlichen auf Rational-Choice-inspirierte Kriminalitätstheorien rekurrieren und raumbezogen operieren, also Risikoräume vorhersagen und dabei bei der Prognoseerstellung gänzlich ohne personenbezogene Daten arbeiten. Die Implementierung personenbezogener Prognoseverfahren – die mit RADAR-iTE vom BKA durchaus auch in Deutschland schon Realität ist, welches aber kein Datenanalysetool wie z. B. PRECOBS darstellt – ist hier aber schwieriger durchzusetzen als z. B. in den USA, da der Sicherheitsdiskurs dort deutlich anders funktioniert bzw. der Datenschutz dort eine deutlich untergeordnetere Rolle spielt. In Deutschland gibt es eine mächtige Datenschutz-Lobby, die durchaus in der Lage ist, hemmungslosen Sicherheitsfantasien von VertreterInnen staatlicher Sicherheitsbehörden diskursmächtig Paroli zu bieten. Deshalb sind solche personenbezogenen (und andere) Erweiterungen von Predictive Policing in Deutschland kein Selbstläufer und entsprechend vor dem jeweiligen Landeshintergrund differenziert zu behandeln. Nicht zuletzt seit den Anschlägen von 9/11 ist in den USA die Einführung von Technologien, die (minimale) Sicherheitgewinne versprechen, quasi widerstandslos umzusetzen, weshalb dortige Realitäten nicht bruchlos als Zukunftsfolie für deutsche Verhältnisse herangezogen werden können. Zudem muss betont werden, dass die ‚Strategic Subject List‘ der Polizei Chicago auch in den USA eine Ausnahme bildet und nicht repräsentativ für die dortige Predictive Policing-Anwendung ist. Kurzum: Es hat insgesamt dem Informationsgehalt des Films nicht gutgetan, Prädiktionstechnologien in unterschiedlichen Ländern parallel zu behandeln.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Geschichten im Film werden tendenziell von der denkbar schlimmsten (Zukunfts-)Perspektive aus erzählt, weshalb kein realistisches Bild von Predictive Policing – auch auf die USA bezogen – vermittelt wird. In Teilen neigt der Film in der Folge zu (Über?)Dramatisierungen. Dies schadet wiederum der mit dem Film intendierten Debatte um die freilich mannigfaltig vorhandene Risiken von Big Data-Technologien im Bereich der Strafverfolgung und Strafrechtspflege, da sie sich vor allem auf antizipierte und nicht gegenwärtige Probleme von Predictive Policing konzentriert. Dazu passt, dass zwar die Nutzung von PRECOBS in München auf der Straße, also das konkrete Polizieren der prognostizierten Risikoräume, gezeigt wird, dabei aber nicht kritisch reflektiert wird, was das räumliche Risikolabel für das Verhalten der PolizistInnen in ebendiesen Gebieten an (negativen) Folgen zeitigen kann – indem sie beispielsweise offensiver kontrollieren und verstärkt die ‚üblichen Verdächtigen‘ kontrollieren, also Racial Profiling betreiben. In Bezug auf diese Szene ist ferner zu konstatieren, dass der Film mit notwendigen Kontextinformationen spart. Denn es bleibt undurchsichtig, in welchem konkreten Zusammenhang die Kontrolle gefilmt wurde, z. B. ob die kontrollierte Person instruiert war. Dies gilt ebenfalls für den Präventions-Besuch der Chicagoer Polizei bei Robert McDaniel, der als Mitglied der Strategic Subject List porträtiert wird und den Aufhänger des Films bildet. Bei seiner ‚Gefährderansprache‘ wird nicht deutlich, ob es sich bei den BesucherInnen um Schauspieler oder Abgesandte der real beteiligten Institutionen handelt. Dies überrascht, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des dokumentarischen Kontext des Films, in negativer Weise. Konvergent dazu ist die Tatsache, dass zu der Auswahl der interviewten Personen – sofern sie nicht als FunktionsträgerInnen mit institutioneller Anbindung angesprochen werden – kaum Kontext-Angaben gegeben werden und überdies deren Aussagen nicht durch das Referieren anderen Quellen überprüft bzw. bestätigt werden. Die Stellungnahmen des Kriminalreporters aus Chicago, Jeremy Gorner, beispielsweise sind kaum zu evaluieren und demnach ad hoc nicht ob ihrer Richtigkeit einzuschätzen. Es ist für die ZuschauerInnen ferner nicht ersichtlich, warum gerade dieser Gesprächspartner einen zuverlässigen und/oder kompetenten empirischen Einblick über Predictive Policing-Maßnahmen zu vermitteln im Stande ist. Die Schilderungen wiederum des britischen (Nicht?)Gangmitglieds ‚Smurfz‘ sind teilweise schlicht nicht glaubhaft. Sechs Jahre Gefängnis für eine Songzeile? Auch in Großbritannien herrscht Rechtsstaatlichkeit, jedenfalls sind mir anderweitige Informationen nicht zu Ohren gekommen; die von ihm geschilderte Vorgehensweise seitens der britischen Polizei bzw. Justiz ist nur schwer vorstellbar und wird obendrein durch das Filmteam nicht überprüft.

Die Anmerkungen des Juraprofessors Andrew Ferguson indes sind sehr aufschlussreich – dessen Monografie ‚The Rise of Big Data Policing‘ ist im Übrigen im vergangenen Oktober erschienen und stellt die bis dato einzige Beschäftigung mit Predictive Policing in Buchlänge dar. Gerade in Bezug auf die von ihm konstatierte zunehmende „Datenkonvergenz“ zwischen staatlichen Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen – wie z. B. Google oder Apple – und die dahinterstehenden ökonomischen Rationalitäten sind seine Ausführungen überaus instruktiv. Dies gilt ebenfalls für die von ihm aufgeworfene Problematik, warum es per definitionem mit Exaktheitsproblemen verbunden ist, wenn man die Massendaten von z. B. Google auf einzelne Wohnobjekte oder Personen zentriert, da erstere nicht perfekt sein müssten und dies auf Einzelfälle bezogen aber erhebliche Probleme bereiten könne (wenn die Polizei beispielsweise zu einem Haus bzw. deren BesitzerInnen falsche, weil auf Grund von Umzug veraltete Risikowerte vorliegen hat). Die juristischen Problematiken, die mit prognostischem Wissen per se in straf- und polizeirechtlichen Kontexten einhergehen, die von Ferguson am Ende angedeutet werden, hätten dabei aber intensiver besprochen werden können.

Auch die Einlassungen des (Technik-)Soziologen Bilel Benbouzid sind überaus spannend, z. B. hinsichtlich der Verschiebung polizeilicher Tätigkeit von reaktiven zu proaktiven, primär präventiv motivierten Formen. Auch seine Erläuterungen zum seismologischen Ursprungskontext des Algorithmus von PredPol sind aufschlussreich, wobei ein paar seiner Argumente nur in spezifischen prognostischen Anwendungsformen Gültigkeit haben. So beispielsweise in Bezug auf die These, dass die prognostische Datenbasis der Polizeien stets verzerrt sei und daraus sicherheitsbezogene Ungleichbehandlung der BürgerInnen entspringen würden, da die PolizistInnen auf Grund der Prognosen immer in die gleichen (Risiko-)Gegenden führen und eben nur dort für Sicherheit sorgten. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl aber – der gegenwärtig im deutschsprachigen Raum im Fokus von polizeilicher Prognosesoftware steht und auch weltweit die dominante Anwendungsform ist – trifft das so nicht zu, da die Anzeigequote überdurchschnittlich hoch ist, da nur per Anzeige auch der Versicherungsschutz greift. Dies gilt natürlich auch für benachteiligte Personen, die entsprechend ebenfalls Besuch von der Polizei bekommen und deren Wohngebiet somit – in der Argumentationslogik Benbouzids – ebenfalls zum Schutzraum werden kann. Zudem unterschlägt dieses Argument, dass gerade in sozial schwachen Gegenden ohnehin starke Polizeipräsenz herrscht, insbesondere in denjenigen Gebieten, die polizeilicherseits als ‚Hot-Spots‘ definiert werden (ob damit von den betreffenden BewohnerInnen konkrete Sicherheitsgewinne verbunden werden, kann ohnehin bestritten werden).

Der Film gewährt auch interessante empirische Einblick. Beispielsweise durch die Aussagen von Mark Johnson, dem (mittlerweile) ehemaligen Chef der Kriminalitätsanalysestelle der Polizei Kent, die das System PredPol mitentwickelt hat. Dieser stellt anschaulich dar, was die Attraktivität eines Prognosesystems für Polizeien darstellt (Komplexitätsreduktion, Rationalisierung der Streifenallokation, Zeitvorteile) und zeigt auf diese Weise zudem, wie ähnlich das System PredPol zum hiesigen Marktführer PRECOBS ist – ein Umstand, der im Film indes nicht thematisiert wird (es wird gar suggeriert, das PredPol und PRECOBS unterschiedlich theoretisch – routine activity approach vs. near-nepeat-victimisation – fundiert sind, was aber nicht der Fall ist). Auch die Ausführungen von Günter Okon, Chef der Kriminalitätsanalysestelle des Bayerischen Landeskriminalamts sind lehrreich, da er den Grundansatz von PRECOBS und des near-repeat-Ansatzes verständlich darlegt. Neu war für mich ferner die Gang-Datenbank ‚Matrix‘ in London, sowie das System ‚Beware‘, welches in Fresno benutzt wird und neben dem vernetzten Zugriff auf zahlreiche Datenquellen auch die Durchsuchung von social media-Inhalten ermöglicht. Auch die detaillierte Darstellung der Funktionsweise der vergleichsweise avancierten Predictive Policing-Technologie ‚HunchLab‘ ist erhellend, insbesondere die algorithmisch vorgeschlagenen Strategievorschläge und Relevanzberechnungen, die sehr stark in die jeweiligen Polizeipraktiken eingreifen, sind bemerkenswert. Der Film einhält also durchaus wichtige und neue Erkenntnisse und ist somit in der Tat ein wichtiger Impuls zur gesellschaftliche Thematisierung von Predictive Policing und der Nutzung von Techniken der Datenanalyse in den Kontexten von Strafverfolgung und Strafrechtspflege.

Alles in allem krankt der Film aber vor allem daran, dass er keine (reine) Dokumentation ist, sondern irgendwas zwischen Dokumentation und Spielfilm, auf jeden Fall mit zahlreichen Fiction-Anteilen versehen. Gerade in diesem Zusammenhang empfinde ich die Thematisierung des Spiels ‚Watch Dogs‘ als verzerrend und unverständlich. Warum ein futuristisches, überdies sehr überspitztes Beispiel nehmen, wenn es so viele reale Exempel gibt? In diesem Kontext ist auch der Untertitel des Films („Willkommen in deinem Minority Report“) kritisch zu sehen, da er falsche Assoziationen provoziert, indem eine prognostische Präzision gemäß der ‚Precogs‘ aus der Kurzgeschichte Philipp K. Dicks bzw. der deutlich bekannteren Verfilmung ebendieser von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002 suggeriert wird, die wenig mit der gegenwärtigen – und zukünftigen! – Realität von predictive analytics bzw. Predictive Policing zu tun hat.

Der Film will eine gesellschaftliche Debatte initiieren; das ist ein ehrbares Motiv. Man sollte sich aber die Frage stellen, ob diese Debatte nicht umso nachhaltiger gewesen wäre, je mehr sie sich der Film auf die Gegenwart bezöge. Die aktuellen – freilich vergleichsweise unspektakuläreren – Formen des Predictive Policing, wie z.B. mit der Near-Repeat-These per PRECOBS (z. B. in Bayern und Zürich), werden nur untergeordnet behandelt und damit die bereits gegenwärtigen Probleme aktueller Formen des Predictive Policing – wie z. B. die offensivere Kontrolltätigkeit in Risikogebieten – nicht ausreichend thematisiert. Zudem wäre eine differenziertere und ausgewogenere, weniger von Worst-Case-Szenarien geleitete Darstellung von Predictive Policing wünschenswert und eine konkretere Fokussierung des Filmthemas sachdienlich gewesen, da schlicht zu viele Themen und Problemherde auf einmal verhandelt werden.

Simon Egbert, Hamburg

 

April 04 2018

Neue Ausgabe von Surveillance & Society

Jftsang at English Wikipedia, via Wikimedia Commons.)New Issue: Volume 16, Number 1 (2018)

Hier ein paar Stichworte zum Inhalt:

  • Algorithmic Fetishism (Torin Monahan)
  • It’s the Camera! A Special One: The Smartboxing of Image Processing Algorithms and their Uncertainties in Media Representations of Surveillance Technology (Christoph Musik)
  • Crowdsourced Countersurveillance: A Countersurveillant Assemblage? (Mark Andrew Wood and Chrissy Thompson)
  • Security against Surveillance: IT Security as Resistance to Pervasive Surveillance (Mike Zajko)
  • The Eyes of Law Enforcement in the New Panopticon: Police-Community Racial Asymmetry and the Use of Surveillance Technology (Josh A. Hendrix, Travis A. Taniguchi, Kevin J. Strom, Kelle Barrick, and Nicole J. Johnson)
  • The All-Seeing Eye of State Surveillance in the Italian Football (Soccer) Terraces: The Case Study of the Football Fan Card (Alberto Testa)
  • Soiveillance: Self-Consciousness and the Social Network in Hideaki Anno’s Love & Pop (Jeeshan Gazi)

April 02 2018

Der Skandal um Cambridge Analytica

Anstatt eines Kommentars zu Cambridge Analytica, hier ein sehr treffender Artikel mit dem treffenen Titel: Cambridge Analytica: the outrage is the real story. Bereits Karl Krauss wusste, das der Skandal dann beginnt, wenn die Polizei ihm ein Ende bereitet.

But what did we really think would happen when the worst aspects of Silicon Valley, a cynical Etonian establishment, reactionary Anglo-American nationalism and hedge-fund capital found each other? As Mark Fisher once said, “Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.”
“Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.” […] Perhaps a more important question to ask is: why do we carry on being shocked when social media’s centrality in our attention and emotional lives doesn’t go well for us?

Die Frage allerdings finde ich auch nicht so überraschend. Der Analyse folge ich, für eine Antwort hätte ich das Stichwort vom Konsum der Überwachung bereit (hier im Blog bereits einige Male angesprochen).

Aktuell dazu ein Interview beim Deutschlandfunk in Kultur Heute (2.4.2018): Überwachung als Fürsorge (trifft es auch, aber nicht ganz)

<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');</script><![endif]--> http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/04/02/ueberwachung_als_fuersorge_kultur_und_netzsoziologe_nils_dlf_20180402_1746_f4218ba7.mp3

 

March 29 2018

Algorithmic Sovereignty

Ich glaube diese Arbeit ist auch für dieses Blog interessant.

Algorithmic Sovereignty ist eine Doktorarbeit von Dennis Roio.

In this dissertation you’ll find some analyses that may be applied to
the case of FB/CA, but are also related to realities as that of Tor’s
development or SAP’s company policies or PokemonGO or last but not
least ARAIs used by law enforcement to preemptively profile criminals,
a debate in the US which always focused on “datasets” but has barely
touched the consideration of algorithms behind. (Jaromil aka Dennis Roio explaining his dissertation in a list post to air-l.)

Narrative der Überwachung (Passau, 12.4. – 5.7.2018)

Ringvorlesung: Narrative der Überwachung (Passau, 12.4. – 5.7.2018)

Interdisziplinäre Ringvorlesung, Sommersemester 2018, Donnerstags, 18 Uhr c.t., HS 2 Von Benthams Panopticon über Orwells 1984 und Eggers The Circle bis hin zur Weltraumtheorie des BND: Nicht erst seit den Enthüllungen Edward Snowdens gibt es eine Vielzahl von Motiven und Erzählungen der Überwachung, die kulturelle Verhandlungen und Vorstellungen von Sicherheit und Freiheit prägen. In einer Ringvorlesung legen Gastwissenschaftler-Innen aus dem Bereich der Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften Grundzüge dieser Narrative dar.

Dabei werden filmische und literarische Klassiker vorgestellt, Darstellungen und Praktiken digitaler (Selbst-)Überwachung besprochen und Bezüge zu Überwachungsnarrativen in der Geschichtswissenschaft oder der Politik hergestellt.

Programmflyer

Programm

Donnerstag, 12. April 2018
Prof. Dr. Hans Krah, Dr. Martin Hennig, Passau
Typologie, Kategorien, Entwicklung von Überwachungsnarrativen: Zur Einführung

Donnerstag, 19. April 2018
Dr. Kai Fischer, Bochum
„Big Brother is always watching“ – Utopie und Überwachung

Donnerstag, 03. Mai 2018
Dr. Dominik Orth, Wuppertal
Kontrolltechnologien in filmischen Dystopien nach 1984

Donnerstag, 17. Mai 2018
Dr. Dietmar Kammerer, Marburg
Give them something to watch. Überwachung als Motiv in der Werbung

Donnerstag, 24. Mai 2018
Prof. Dr. Maren Conrad, Erlangen-Nürnberg
Adoleszenz zwischen Algorithmus und Big Data in der aktuellen Jugendliteratur

Donnerstag, 07. Juni 2018
Dr. Marcel Schellong, München
Stanley’s Panopticon – Kontrolle als Motiv und Prinzip des Computerspiels

Donnerstag, 14. Juni 2018
Dr. Thomas Christian Bächle, Bonn
Predictive Policing, Computational Propaganda, Counter Surveillance – Praktiken und Projektionen der digitalen Kontrollgesellschaft

Donnerstag, 21. Juni 2018
Christian Flisek (SPD), Passau
Der Fall Edward Snowden – politische Überwachungsnarrative auf dem Prüfstand

Donnerstag, 28. Juni 2018
Miriam Piegsa, Passau
Untergangsstimmung im ‚Bildungsfernsehen‘– Überwachung in der deutschen Dokumentation

Donnerstag, 05. Juli 2018
Lukas Edeler, Passau
Dimensionen von Privatheit und Persönlichkeit im sozialistischen Leipziger Raum der 1980er Jahre

Wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. Hans Krah
Lehrstuhl für Neuere Deutsche
Literaturwissenschaft
Fon: +49 851 509-2770
E-Mail: Hans.Krah@uni-passau.de <mailto:Hans.Krah@uni-passau.de>

Organisation und Kontakt
Dr. Martin Hennig
DFG-Graduiertenkolleg 1681/2
„Privatheit und Digitalisierung“
Fon: +49 851 509-3297
E-Mail: Martin.Hennig@uni-passau.de <mailto:Martin.Hennig@uni-passau.de>

March 28 2018

Texte zu Polizei und Videoüberwachung

Der geschätzte Kollege Peter Ullrich vom Berliner Institut für
Protest- und Bewegungsforschung hat zwei neue Texte online gestellt, die es zu lesen lohnt.

  1. Ullrich, Peter. 2018. Researching Police in/under Protest. Police Research as a Journey of Discovery with Obstacles. Berlin: Institut für Protest- und Bewegungsforschung.
  2. Ullrich, Peter. 2018. Videoüberwachung von Demonstrationen und die Definitionsmacht der Polizei. Zwischen Objektivitätsfiktion und selektiver Sanktionierung. Berlin: Technische Universität

Vorlesungsreihe zu Anonymität

Die Vorlesungsreihe “Querblicke” der HafenCity University beschäftigt sich in diesem Sommer mit Anonymität.

Die Anonymity Research Group ist Partner und mit 4 Beiträgen vertreten, weiterhin Jan Schmidt vom Bredow Institut und Ingrid Schneider von der Uni Hamburg.

 

March 27 2018

Surveillance Studies Konferenz

Die Anmeldung für die SSN-Konferenz 2018 in Aarhus ist jetzt geöffnet.

Surveillance Beyond Borders and Boundaries

Der Frühbucherrabatt endet am 15. April!

February 01 2018

Predictive Policing, Immigration und Silicon Valley

Über Predictive Policing, die vorausschauende Polizeiarbeit wird derzeit viel geredet. Geht das, geht das nicht? Was heißt Vorhersagen, was passiert da und wie sicher sind diese Algorithmen. U.a. hat Simon Egbert dazu einen sehr schönen Vortrag in der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft gehalten (am 8.1.2018).

Die Software hinter vielen Programmen dieser Art digitaler, post-moderner und zukünftiger Polizeiarbeit sollte dabei nicht nur im Hinblick auf die Algorithmen betrachtet werden, sondern auch hinsichtlich sonstiger Nutzung und der mit ihnen verbundenen ökonomischen und politischen Macht.

Mehrere Geschichten haben im letzten Jahr die Zusammenhänge zwischen Palantir, der Firma von Peter Thiel, welche die Daten für viele der Anwendungen bereit stellt, dem Migrationsprogramm Donald Trumps und der Polizei thematisiert. Hier einen Blick drauf zu werfen lohnt sich sehr.

Wired: How Peter Thiels Secretive Data Company pushed into Policing 8.9.2017.

Peter Thiel ist deshalb interessant, weil er eher am rechten Rand des Silicon Valleys steht, mit durchaus totalitären Ideen digitaler Herrschaft und einer bisweilen verächtlichen Haltung zu traditionellen Ideen der Demokratie, Mitbestimmung. Seine Technikfantasien haben durchaus einen Erlösungscharakter (siehe kritische Auseinandersetzungen z.B. bei FAZ oder Society Pages)

The Intercept hatte bereits im März 2017 dazu zwei Geschichten

Slate griff das ganze im August 2017 wieder auf: ICE Wants to Use Predictive Policing Technology for Its “Extreme Vetting” Program. 

Slate nennt nicht Thiel, dafür aber die die predictive policing-Ansätze, die auch von anderen Tech-Giganten aufgegriffen werden, da hier ein wohl noch offener Markt mit großem Potenzial liegt.

Generelles zu dem Thema ist von Andrew Guthrie Ferguson, in seinem Buch  The Rise of Big Data Policing: Surveillance, Race, and the Future of Law Enforcement (NYU Press 2017) geschrieben worden (hier ein Auszug bei The Crunch,22.10.2017).

Dazu passt auch der Report der Rand Corp: An Intelligence in Our Image. The Risks of Bias and Errors in Artificial Intelligence.

Aus diesen Analysen, Reportagen und Recherchen ergeben sich eine Reihe von Fragen für die Auseinandersetzung mit predictive policing im Allgemeinen, aber auch und vor allem mit den Hintergründen der Software, dem Surveillance Capitalism (Zuboff) und was es bedeutet, wenn Unternehmen immer mehr Einfluss auf die Ausgestaltung politischer Ideen bekommen, insbesondere im Bereich Justiz, Polizei, Sicherheit. Wir leben in einem digitalen Zeitalter, da sollten uns die Intstanzen der Normgestaltung besondern interessieren, denn wie das Beispiel Peter Thiel, aber auch andere zeigen, ist Profit und nicht notwendigerweise Rechtsstaatlichkeit die Motivation eines Engagements. Dass Polizei, Staat und Justiz darauf zurückgreift ist klar, aber wie auch gezeigt wurde und wahrscheinlich in der Zukunft noch öfter klar werden wird, werden Konsequenzen einer solchen Vermengung von Interessen nicht genügend reflektiert. Dabei geht es um nicht mehr als um die Möglichkeiten von Herrschaft, ihrer Kontrolle, der Partizipation der Bürger an dieser Herrschaft (und Kontrolle) sowie dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit.

January 30 2018

Preisverleihung und Lecture 2018

Am 29.1. 2018 wurden in Hamburg die Surveillance-Studies-Preise 2018 vergeben.

Hier sind einige Bilder von der Veranstaltung, Infos zu den Gewinnern und den Beiträgen.

Surveillance Studies Lecture 2018: Prof. Dr. Ingrid Schneider, Fb Informatik der Universität Hamburg (im Rahmen der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft): Big Data und Diskriminierung.

<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');</script><![endif]--> http://www.surveillance-studies.org/guest/20171120Daten_Ringvorlesung.mp3

 

Der Preis an Harald Schumann und Elisa Simantke wird von den beiden im Namen der Redaktion und des Teams von Investigate Europe angenommen, da es sich bei der Arbeit um ein Gemeinschaftsprojekt von neun (9) Journalisten aus Europa handelt.

Die Laudatio für den Beitrag “Grenzenlose Überwachung” war von Antje Möller frei gehalten, deshalb nicht erhalten.

Der zweite Gewinnerbeitrag von Jasmin Klofta und Svea Eckert kann in der Mediathek der ARD angesehen werden.  Nackt im Netz: Auch intime Details von Bundespolitikern im Handel. (Panorama 3.11.2016)

Großen Dank an Florian Rötzer und telepolis für das Preisgeld.

Laudatio von Nele Heise für Erich Moechel, der eine besondere Erwähnung der Jury bekommen hat:

Erich Möchel zählt zu den Pionieren des IT-Journalismus in Österreich. Seit 1983 ist er für diverse Medien wie Falter, Radio Ö1, der Standard, heise.de, Telepolis oder FM4 tätig. 1999 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des IT-Nachrichtenkanals futurezone.orf.at, für den er auch als Ressortleiter tätig war.

2014 konnte Erich Möchel in monatelanger Recherche, basierend auf den Snowden-Dokumenten, die Aktivitäten der NSA in Österreich dokumentieren. Die Liste zu seinen Recherchen, Artikeln und Vorträgen ließe sich ewig weiterführen. Das ist nicht nur seiner langen “Dienstzeit” geschuldet, sondern auch seinem unermüdlichen Streben, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, Themen über einen längeren Zeitraum zu begleiten und auch technisch anspruchsvolle Aspekte für die Leserinnen und Leser aufzubereiten.

Hinzu kommt sein Engagement abseits des Journalismus. So hat er u. a. 1996 den Verein quintessenz zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter mitbegründet und hält regelmäßig Vorträge zu den Themen Datenschutz und Datensicherheit, automatisierte Überwachung und digitale Bürgerrechte.

Beeindruckt hat die Jury die Konsequenz mit der er Themen verfolgt, die Erfahrung, die ihn nicht jedem digitalen Knochen nachlaufen lässt, und die anhaltende Begeisterung, mit der er über Themen, denen er auf der Spur ist, berichtet. Fest steht: Erich Möchels journalistische Beiträge sind ein wertvoller Bestandteil (und für manch einen wohl auch ein Stachel) der österreichischen Berichterstattung. Das zeigt u. a. seine Artikelreihe zur geplanten Einführung eines “Bundestrojaners” nach deutschem Vorbild, die er im Sommer 2017 für den Jugendsender Radio FM4 verfasste. Die Beiträge fanden ein großes Medien-Echo, was Möchel selbst auch darauf zurückführt, dass sich außer ihm “niemand die Zeit genommen [hatte], auch die Erläuterungen zum an sich sehr dürren Gesetzestext zu lesen.” Letztlich scheiterte das sog. “Sicherheitspaket” der österreichischen Koalition v. a. an der Trojanerfrage – ein Erfolg auf Zeit, wie Möchel selbst betont. Aber auch ein Beleg dafür, dass sich das konsequente Dranbleiben, Nachbohren und genaue Hinschauen lohnt.

Aus Sicht der Jury stehen diese versiert recherchierten Analysen exemplarisch für Möchels jahrelange hochwertige Arbeit und kritische Berichterstattung zu technologischen und politischen Zusammenhängen der Überwachung. Die Jury ist der Auffassung, dass wir gerade angesichts eines sich nicht nur in Österreich verschärfenden gesellschaftlichen und politischen Klimas, einen solch analytisch fundierten, ausdauernden und einordnenden Journalismus brauchen. Daher spricht die Jury des Surveillance Studies-Preises 2018 eine besondere Erwähnung für die journalistischen Leistungen von Erich Möchel aus.

Reposted by02mydafsoup-01paket

The Verge: Künstliche Intelligenz befeuert Überwachung

Lesenswerter Artikel: Artificial intelligence is going to supercharge surveillance (The Verge. 23.1.2018)

What happens when governments can track huge numbers of people using CCTV? When police can digitally tail you around a city just by uploading your mugshot into a database? Or when a biased algorithm is running on the cameras in your local mall, pinging the cops because it doesn’t like the look of a particular group of teens?

Wie immer gilt: Man darf die Behauptungen der Tech-Industrie (oder jeder anderen…) nicht allzu wörtlich nehmen; schönerweise lässt der Artikel ja auch Skeptiker- und Kritikerinnen zu Wort kommen.

Reposted byp12502mydafsoup-01
teleschirm

U.S. soldiers are revealing sensitive and dangerous information by jogging


www.washingtonpost.com on Jan 29, 2018:

An interactive map posted on the Internet that shows the whereabouts of people who use fitness devices such as Fitbit also reveals highly sensitive information about the locations and activities of soldiers at U.S. military bases, in what appears to be a major security oversight.

The Global Heat Map, published by the GPS tracking company Strava, uses satellite information to map the locations and movements of subscribers to the company’s fitness service over a two-year period, by illuminating areas of activity.

[...]

January 25 2018

Doping, Kontrollen und Privatsphäre

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden, dass das Wherabouts-System zur Kontrolle der Athleten nicht gegen Article 8 der Konvention verstößt.

Doping control: whereabouts requirement does not breach Convention
In today’s Chamber judgment1 in the case of Fédération Nationale des Syndicats Sportifs (FNASS) and Others v. France (application no. 48151/11  and 77769/13) the European Court of Human Rights held, unanimously, that there had been: no violation of Article 8 (right to respect for private and family life) of the European Convention on Human Rights. aus dem Urteil und Begründung als pdf

Dazu ein paar Worte.

Die Begründung listet immer wieder auch den Aspekt der Gesundheit auf, den es mit den Kontrollen zu schützen gilt. Das allerdings halte ich für einen schlechten Grund bzw. prinzipiell einen guten, aber wenn man davon ausgeht, dass Leistungssport, wie der den es durch den WADA-Code zu schützen gilt, per se “ungesund” im Sinne einer ausgewogenen Belastung des Körpers ist, dann ist die Begründung echter Unfug und nicht vom Athleten her gedacht.

Es ist geradezu bevormundent, die Gesundheit schützen zu wollen, deren Grenzen die Athleten willentlich und freiwillig austesten, darüber hinaus gehen, für Gold, für einen Sieg, für Geld, und dann ihre Privatsphäre zu verletzen, um sie bevormundend zu kontrollieren.

Aus der Begründung:

With respect to the legitimate aim or aims of the interference, the Court observed that the “protection of health” was enshrined in the relevant international and national instruments which presented the prevention of doping as a health concern.

Die Begründung ist folgerichtig, denn auch die WADA verfolgt diesen Ansatz, aber es wird nicht besser, nur weil es am Anfang schon falsch war oder zumindest problematisch.

Und wenn man bedenkt, dass es sich in vielen Fällen um Berufssportler handelt, dann könnte man schlussfolgern, dass man auch andere Arbeitsnehmer derart zum Wohle ihrer Gesundheit kontrollieren dürfte. Eigentlich müsste daraufhin jeder Arbeitsbereich derart kontrolliert werden, wenn es, wie sie Richter betonen, um die Gesundheit geht.

Offen bleibt weiterhin allerdings, inwieweit die Privatsphäre Dritter beeinflusst werden darf? Denn, und das hat unsere Untersuchung gezeigt, gibt es eine Reihe von spill-over-Effekten durch das ADAMS und die Kontrollen, die über die Athleten hinausgehen. Wir arbeiten gerade an Publikationen und Vorträgen und stellen demnächst auch Ergebnisse daraus vor.

Hier könnt ihr ein paar Gedanken schon mal anhören, Vortrag bei der play the game 2017 in Eindhoven.

January 22 2018

Preisverleihung, Journalistenpreis

Am 29.1.2018 findet die Preisverleihung zum Surveillance Studies-Journalistenpreis statt (im Rahmen der Algorithmen-Ringvorlesung).
Beginn 18.30 Uhr.

Hier ist schon mal das Programm:

  • Begrüßung Dr. habil. Nils Zurawski
  • Laudatio: Nele Heise MA.
    Preis an Erich Moechel, Wien
  • Laudatio: Dr. habil Nils Zurawski
    Preis an Svea Eckert & Jasmin Klofta, Hamburg
  • Laudatio: Antje Möller MdHB, Grüne-Fraktion
    Preis an Harald Schumann & Elisa Simantke, Berlin
  • Surveillance Studies Lecture 2018: Prof. Dr. Ingrid Schneider (Änderung wegen Krankheit), Universität Hamburg, Fb Informatik: „Big Data und Diskriminierung“
    anschließend Fragen und Diskussion

Ort: Universität Hamburg, ESA West #221, Edmund-Siemers-Allee 1
Beginn: 18.30 Uhr

January 08 2018

Surveillance Studies Preis 2018: die Preisträger

Der Surveillance Studies Preis 2018 geht an die Fernsehjournalistinnen Svea Eckert und Jasmin Klofta, sowie an Harald Schumann und Elisa Simantke vom Tagesspiegel.

Eine besondere Erwähnung der Jury geht an Erich Moechel, Wien.

Wir gratulieren den Gewinnern.

Preisverleihung:
Zeit: 29. Januar 2017, 18.30-20.30 Uhr
Ort: Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Gebäude ESA West, R. 221.

  • Svea Eckert und Jasmin Klofta bekommen den Preis für ihren TV-Beitrag “Nackt im Netz” (ARD Panorama, 3.11.2016), in dem sie die Verfügbarkeit von personenbezogenen Informationen thematisieren. Beeindruckt hat die Jury vor allem die Art der Recherche sowie die Konfrontation von verschiedenen Betroffenen, insb. Bundestagsabgeordneten mit den Befunden.
  • Harald Schumann und Elisa Simantke werden prämiert für ihr Tagesspiegel-Dossier „Grenzenlose Überwachung“ (11.12.2016). Darin berichten sie von der technischen Aufrüstung an Europas Außengrenzen, welche weitgehend von der Öffentlichkeit unbeobachtet vor sich geht. Die Jury prämiert die außerordentliche Recherche zu diesem Thema sowie die Tiefe der analytischen Berichterstattung, die über das bloße Erzählen hinausgeht.

Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird vom Webmagazin Telepolis gestiftet. In diesem Jahr wird die Summe zwischen den Preisträgern aufgeteilt.

Außerdem erhält in diesem Jahr der Wiener Journalist Erich Moechel eine besondere Erwähnung der Jury für seine jahrelange qualitativ hochwertige Arbeit und kritische Berichtersattung zu neuen Technologien und Überwachung. Dieser Preis ist nicht mit einem Preisgeld versehen.

Die Preisverleihung findet am 29. Januar 2018 in Hamburg statt. Die diesjährige Surveillance Studies-Lecture hält Professorin Dr. Judith Simon, Philosophin am Fachbereich Informatik der Universität Hamburg. Die Verleihung ist Teil der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft.

January 03 2018

Discussion Paper: Disentangling Anonymity and Privacy

Das Forschungsprojekt Reconfiguring Anonymity (VW) hat nun sein ersten discussion paper online gestellt und lädt zu Kommentaren und Feedback ein.

Anon Discussion Paper No. 1: Disentangling Anonymity and Privacy. Theoretical reflections in the light of the conceptual history of both terms.

Autorinnen: Gertraud Koch & Anna Henke, Uni Hamburg

Anonymity and privacy are subjects that are intensely debated in the public. Both have become important matters of political activity and legislation since a loss of both is experienced in particular due to digital information technologies in the context of the Internet and their capacity for processing and storing data.

January 02 2018

Rezension: Polizeilicher Kommunitarismus

Rezension: zusammen mit   Criminologia-LogoKopie

Thomas Scheffer, Christiane Howe, Eva Kiefer, Dörte Negnal, Yannik Porsché. Polizeilicher Kommunitarismus: Eine Praxisforschung urbaner Kriminalprävention. 2017, Frankfurt am Main, Campus.

von Nils Zurawski

Ich kann es auch gleich vorweg sagen: Dieses Buch habe ich begeistert und mit Gewinn für meine eigene praktische Forschung gelesen. Es bietet sowohl Anknüpfungspunkte für eine theoretische Diskussion innerhalb der Polizeiforschung, aber eben auch ganz praktische Hinweise, wenn man sich selbst im Feld befindet oder in dieses gehen will. Es ist gleichzeitig selbst eine Ethnographie, wie auch eine Reflexion darüber. Mir persönlich hat das Buch als Einstieg in eine Forschung bei der Polizei geholfen, bis hin zu Schlüsselszenen der Erkenntnis, die ich diesem Buch entnommen habe.

Das Buch ist unterteilt in 4 Abschnitte, in denen die Autoren in unterschiedlichen Konstellationen zu verschiedenen Aspekten polizeilicher Kriminalprävention schreiben. Der Fokus durch den gesamten Band sind dabei “die unzähligen Rahmen ‚’dort draußen'”, in denen sich Prävention vollzieht, wie Thomas Scheffer im Vorwort herausstellt (S. 16). Die Einteilung der Abschnitte ergibt eigentlich erst Sinn, wenn man die Kapitel selbst liest. Dabei muss man sagen dass dieses Buch sich mehr als viele andere dazu eignet nicht-linear von vorn nach hinten gelesen zu werden, sondern nach Bedarf und Interesse im besten Sinne “quer” gelesen werden kann (damit meine ich nicht den Text nur zu überfliegen).

Die Forschung selbst folgte einer transsequentiellen Analytik, in denen einzelne Episoden und Arbeitssituation in den Fokus genommen worden sind. Die Analyse solcher Situationen in den einzelnen Kapiteln macht den eigentlichen Lesespaß aus. Die Einteilung der Formen der Prävention, die dem Buch seine Struktur geben, sind im Vorwort kurz erklärt. Diese unterscheiden sich in Sozialraum- und Milieuarbeit; Projektarbeit; Bildungsveranstaltungen; Servicearbeit; sowie Fallarbeit. Wichtig für diese Formen sind die darüber geschlossenen Bündnisse, die die Arbeit der Polizei aus einer bloß polizeilichen Befassung herausführen.

Und bereits hier eine Anmerkung aus meiner eigenen Forschung bei und mit der Polizei: Auch wenn die Arbeit von als “Stadtteilpolizisten” (in Hamburg eigentlich Besonderer Fußstreifendienst, BFS, genannt) oder die des Hamburger Jugendschutzes (früher einmal “Sitte”) bisweilen aussieht wie polizeiliche Sozialarbeit, so ist diese Charakterisierung bei vielen Beamten sehr unbeliebt oder wird schon von Ihnen selbst als unzutreffend eingestuft – oft noch bevor ich die Frage überhaupt aufgeworfen habe oder überhaupt hätte.

Die Abschnitte befassen sich also mit den Formen kriminalpräventiver Polizeiarbeit (I), den Vorformen kriminalpräventiver Polizeiarbeit (II; den Bündnissen (III “Querblicke”), sowie den Heraus- und Anforderungen kriminalpräventiver Polizeiarbeit (IV). Eine sehr anschauliche Übersichtstabelle findet sich auf S. 31, in denen auch klar wird, warum Formen und Vorformen unterschieden werden und warum letztere erst als zweites behandelt werden. Die Vorformen sind die in- und externen Vorraussetzungen, auf denen eine kriminalpräventive Polizeiarbeit aufbauen kann: Infrastruktur- und Netzwerkarbeit, die nicht für sich stehen, sondern in den aufgeführten Formen für den Erfolg überhaupt erst nötig sind. Das betrifft auch und vor allem die interne Infrastrukturen, denn letztlich ist die Polizei eine sehr hierarchisch organisierte Behörde, die sowohl eine eigene Arbeit macht, aber eben auch politischen Interessen unterworfen ist, so dass nicht BeamtInnen einfach auf Eigeninitiative hin agieren können.

So habe ich mich in Hamburg u.a. mit einem Stadtteilpolizisten unterhalten, der im Zuge des Flüchtlingszuzuges 2015 seine Arbeit mehr oder weniger umstrukturiert hat und der “Flüchtlingsbeauftragte” seiner Wache wurde, so seine Eigendarstellung. Er hat sich in der Folge fast ausschließlich um die in seinem Revier befindliche Erstaufnahme gekümmert, ohne das ein solches Vorgehen vorher so abgestimmt worden war. Es wurde ihm ermöglicht, war aber ein eher seltener Fall von Eigeninitiative, die gutheißen und abgesegnet worden war. Interessant dabei ist, dass er seine Erfahrungen zwar auf Vorträgen weitergeben durfte, für andere Erstaufnahmen diese Art der Polizeiarbeit aber nicht generell übernommen wurde, mögliche neue Impulse für eine Präventionsarbeit der Polizei nicht programmatisch überdacht worden sind.

Zu den Vorformen gehören aber auch andere infrastrukturelle Aspekte, wie die Dokumente, die in der Forschung der Gruppe eine besondere Beachtung fand, gerade trotz der als dominant festgestellten Mündlichkeit von Polizeiarbeit. Ähnliches gilt für die Standardisierungen von Tätigkeiten und Verfahren, die angesichts der “Behörde” Polizei nicht verwundern, auf die aber ein besonderer, analytischer, wissenschaftlich fokussierter Blick häufig fehlt.
Bei den Formen möchte ich das Kapitel zum Sozialraum exemplarisch hervorheben, da die Autorin Christiane Howe hier zum einen anschaulich die gewählte Methode „vorführt“, andererseits die präventive Arbeit von Polizei auf der Straße, im Kontakt mit den Bewohnern eines Viertels nachzeichnet, insbesondere wie in den informellen Kommunikationszusammenhängen die Verpflichtungen, Übereinkünfte, Umgangsformen, aber auch Normen wie Ehre, Tugend und Moral verhandelt und hergestellt werden (S. 91). Weitere Kapitel, die ich hier hervorheben möchte, sind zwei aus dem IV. Abschnitt. Zum einen Eva Kiefers Ausführungen zu “Reflexiver Nähe”, weil hier ein Aspekt angesprochen wird, der in der Polizeiarbeit insgesamt enorm wichtig ist: Nähe- und Distanzverhältnisse. Ein Schlüsselsatz dabei ist:

„In der polizeilichen Praxis sind nicht nur Methoden der Distanzminderung und der Distanzierung zu beobachten, sondern in die hergestellte Nähe ist Distanz eingewoben“ (S. 231).

In meiner eigenen Arbeit sind diese Nähe- und Distanzverhältnisse von zentraler Bedeutung, ihre Herstellung kein Zufall und auch das Einbinden meiner Präsenz im Feld ein Teil der Praxis, insbesondere in der Begegnung mit Bürgern während der Feldforschung, die ich dann als dritte Person begleite, aber gleichzeitig auch ein Teil der Interaktion selbst werde bzw. von den Polizisten vom “unabhängigen Beobachter” zum Teil der Handlung werde.

Das zweite hervorzuhebende Kapitel betrifft die Möglichkeiten einer kritischen Begleitung von Polizeiarbeit. Insbesondere das Unterkapitel zu “Doing being critical in der Polizei” ist hier von Relevanz, nicht zuletzt da mir fast 1-zu-1 mit den gleichen Argumenten und Fragen seitens der Polizei begegnet wurde. Hierbei geht es um die Erwartungen der BeamtInnen einer Evaluierung ihrer Arbeit durch die Feldforscher, was wiederum mit der mangelnden Fehlerkultur in der Polizei zu tun hat. Dieses Phänomen ist nicht explizit Thema des Kapitels – hier geht es eher um die Rolle der FeldforscherInnen – aber es ließe sich hier sehr gut eine generelle Debatte und möglicherweise weitere Forschung zu diesem Thema anschließen – ethnographisch,aber eben auch strukturell und den Polizeiapparat und seine Kultur insgesamt.

Mein Fazit fällt angesichts der oben gemachten Ausführungen auch relativ kurz aus. Das Buch ist für jede ethnographische Feldforschung ein enormer Gewinn und bietet eine Vielzahl an Aspekten, an die man anschließen kann, diese wiederzuerkennen und darüber erweiterbar sind. Darüber hinaus lassen sich an einzelnen Punkten andere Aspekte von Polizei auf Grundlage ethnographischer Daten theoretisch diskutieren, wie die erwähnte Fehlerkultur und ihre Konsequenzen für polizeiliches Handeln im strukturellen, politischen Sinne. Wie jede gute Ethnographie bietet es somit einen Überblick über das erforschte Geschehen selbst und eröffnet Möglichkeiten weitergehender kritischer Beschäftigung mit der Polizei – bei gleichzeitiger Würdigung polizeilicher Arbeit im Bereich ihrer präventiven Aspekte und Ausprägungen.

December 29 2017

Blink – ein Blog zum Journal

Das Journal Surveillance & Society hat ein neues Blog: Blink

In den Worten des Chief Editors:

Blink is our version of a blog. While Surveillance & Society remains committed to supporting scholarship and creative works on surveillance studies, we also want to connect our articles to broader conversations about  surveillance.

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