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April 11 2012
Bericht: Surveillance Studies Network Konferenz
David Barnard-Wills unterhält auch einen lesenswerten Blog – surveillance and identity - auf dem auch mehrere Berichte zur Surveillance Studies Network Konferenz in Sheffield Anfang April zu lesen sind.
Von ihm ist bei Ashgate auch ein Buch mit gleichem Titel erschienen.
March 21 2012
Überwachung definiert die Straftat…
So oder ähnlich erschien es mir, als ich über die neuen Maßnahmen gelesen habe, die die Engländer für ihre community sentences in der Zukunft anwenden wollen. Community sentences sind so etwas wie Sozialstunden – das reicht David Cameron aber nicht und er will auch aus kleinen Vergehen richtige Verbrechen werden – zumindest sollen dazu die entsprechenden Überwachungsgeräte eingeführt werden, u.a.
‘Sobriety bracelets’ to monitor offenders in alcohol-related cases
Tougher community sentence regime could include advanced electronic ankle tags and greater seizures of criminals’ assetsAmid concerns in Downing Street that community sentences are a soft option, legislation will be introduced in the Queen’s Speech in May to ensure they include a greater punitive element.
So kann man auch durch Technik und die entsprechende “Aufwertung” von Taten, Kriminelle erst schaffen. Hauptsache bestrafen, scheint die Devise – die Technik erledigt den Rest – oder war es umgekehrt, dass ein Anwendungsgebiet für die Gadgets gefunden werden mussten.
Videoüberwachung – was auf dem Markt ist
In dem Artikel Videoüberwachung: Kunden im Visier erzählt ein Mann aus der Branche, was so auf dem Markt der Möglichkeiten in puncto Videoüberwachung so angesagt ist und wo die Reise ihingeht. Schön ist seine Begeisterung und der Name der Tagung:
Beim diesjährigen “Observer Summit” in Wien jubelten praktisch alle Hersteller von IP-basierten Videoüberwachungslösungen über hohe Gewinne. Doch neben der klassischen Überwachung kommt ein neues Feld dazu, das in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird: die Videoanalyse. Die futurezone traf den Geschäftsführer von Netavis, um mit ihm über die neuen Möglichkeiten zu sprechen.
Und dass sich das Thema Videoüberwachung auch zu politischen Diskussionen eignet, war klar. Schön zu sehen ist, wie auch Schüler dazu kommen, in einem Spiel dieses Thema zu diskutieren.
Bis zum Beschluss sei es ein langer Weg gewesen, berichtet der 15-Jährige. Vor- und Nachteile seien ausführlich diskutiert worden, man habe einen Datenschützer befragt, und schließlich seien die Kosten ein wichtiger Punkt gewesen. Geeinigt habe man sich auf einen Kompromiss: 250 Orte in Bayern sollten per Videokamera überwacht werden. (Merkur-online)
Gut, dass im wirklichen Leben andere entscheiden….
February 08 2012
wir konsumieren die Überwachung…
… nur solange man darüber nachdenkt, dass RFIDs den Konsumenten bei seinen Aktivitäten überwachen, kommen wir nicht darauf, dass wir Überwachung auch konsumieren. Dann heißt sie nicht so, sondern Kundenservice, Bequemlichkeit, Versorgung, Management oder so ähnlich. Ambient Surveillance ist auch hier das Schlüsselwort.
Ein paar Beispiele: Autos bezahlen für ihre Fahrer – Videoüberwachung und Kundenverhalten – RFiD Chips in der Kleidung (alles auch an anderen Stellen im Netz zu finden)
Das ist alles nicht neu, aber es kommt immer öfter, und – davon bin ich überzeugt – immer seltener mit Verweisen auf möglichen Datenschutzprobleme, sondern bald auch als die Art des Services als Feature, als Premium-Care, als tragbares soziales Netzwerk. Der Konsum der Überwachung…. ich denke weiter darüber nach…
January 26 2012
Videoüberwachung in Hamburg – das Urteil
Das Gericht hat im Sinne der Verantwortlichen geurteilt:
Die Richter entschieden am Mittwoch: Das Sicherheitsbedürfnis und das Interesse der Polizei an der Verhinderung von Straftaten rechtfertigen Einschnitte in die Grundrechte von Anwohnern und Passanten. Außerdem seien die Länder befugt, den Einsatz der Überwachungskameras in eigenen Polizeigesetzen zu regeln. (NDR Online 25.1.2012)
Das ist tragisch, denn für beide Argumente gibt es keine empirischen Belege – bisher nicht und aus wissenschaftlcher Sicht auch in Zukunft nicht so wie die Verantwortlichen es gern hätten. Der letzte Satz ist hingegen richtig und weißt eher auf die politischen Dimensionen von Videoüberwachung hin, denn auf ihre praktische Wirksamkeit. Ob mit den Kameras allerdings Bewegungsprofile erstellt werden, sei dahingestellt – das Argument der Klägerin halte ich im Hinblick auf die Kameras auf der Reeperbahn für weit hergeholt – Kameras sind Raumüberwachungsinstrumente (noch).
Tatsächlich interessant war eine kleine Sache am Rande – die Umfrage bei NDR Online. Die Fragen wie üblich pauschal – aber selbst hier eine leichte Zustimmung – wie erwartet.
January 09 2012
Verschiedenes zu Kundenkarten…
Ich habe in letzter Zeit ein paar verstreute Meldungen zu Kundenkarten gefunden, die ich hier einmal zusammenfassend kommentieren möchte:
Unter dem Titel “es gibt kein Versteck mehr” kommentiert eine Wiener Kollegin den Fall eines Kunden, der mti seinen Kundendaten konfrontiert wurde, als er sich über abgelaufene Ware beschweren wollte. Das ist doch endlich mal ein Fall wie wir ihn alle immer herausbeschwören und wie er in der schönen neuen Konsumwelt in Zukunft bestimmt öfter haben werden. Ob es hier nur um besonders naßforsche Filialleiter geht oder ein generelles Problem bzw. einen Trend zu mehr Neugier und kategorisierender Kontrolle, muss zunächst offen bleiben.
Kundenkarten sind im Trend – in Deuschland ist allerdings nach durchschnittlich 4 Karten Schluss im Portemonnaie – weswegen die Unternehmen auf die mobile Technik setzen.
Das Smartphone ersetzt dann die Plastikkarten. Was das für den Umgang mit der Karte bedeutet, die ja auch ein Artefakt ist, welches wie unsere Studie gezeigt als solches einen Wert hat und eine Beziehung symbolisier, ist unklar. Das aus Überwachungsstudien-Sicht interessante Stichwort ist dann mal wieder das Internet der Dinge (bei DW-World) und die Probleme des Datenschutzes. Aber es sollte dann nicht vergessen werden, wie die Nutzer mit den Dingen umgehen, was die Dinge tun, bedeuten, wie sie eventuell sich entwickeln im Zusammenwirken mit ihren Nutzern.
Denn bereits Kundenkarten sind nicht nur Schnäppchenkarten, auch wenn es mitterweile einen Selbstversuch gibt wie der Kunde auf die Marketingtricks reinfallen. Nicola Holzapfels “die Leiden einer Schnäppchenjägerin” fokussiert hier vielleicht etwas falsch, wenn sie nichts anderes sieht. Und ich glaube fast, das der Selbstversuch bereits zeigt, dass Kundenkarten vor allem eines sind – Karten, die eine Beziebung zu einem Unternehmen besiegeln, eher als begründen. Und da sind rationale Überlegungen über die Höhe der Rabatte sinnlos bzw. nicht Teil der Beziehung. Und hier liegt ja das Problem bzw. der Schlüssel zum Erfolg der Karten aus Unternehmessicht. Die Tricks zu entarnen ist banal – interessanter ist zu zeigen, wieso die Tricks nicht als solche wahrgenommen werden und wie sie an das Soziale an sich ansetzen. Es ist keine höhre Verschwörung am Werke, sondern zutiefst menschliches Verhalten soziale Beziehungen einzugehen. Das diese nun zu einem Unternehmen eingegangen werden, ist die eigentliche Crux der Karten.
January 02 2012
Sichere olympische Spiele
Wie der Guardian berichtet sieht der Chef-Organisator der Olympischen Spiele von London in diesem Sommer entspannt entgegen, vor allem wenn es um die Sicherheitsmaßnahmen geht, die das Fest nicht beeinträchtigen werden.
Olympic security will not overshadow visitor welcome, says Lord Coe. Troop and military hardware deployment will not turn London into a siege city during Games, says head of organising committee. (Guardian, 27.12.2011)
Schwer zu glauben, andererseits, ist London bereits eine “City under Siege”, wie Stephan Graham es beschreiben würde. Die bereits bestehenden Maßnahmen haben aus der Metropole bereits eine Sicherheitsstadt gemnacht – allein die Kameras und der Ring of Steel dürften Anlass genug sein, über die Bemerkungen von Lord Coe zu diskutieren. Der Einsatz von Truppen, also Soldaten, ist auch für Großbritanien, abgesehen von Nordirland, neu. Die Forscher stehen in den Startlöchern und wir werden im Anschluss jede Menge von Analysen bekommen, die am Beispiel der Spiele von London die Verbindungen von Mega-Events und Überwachung weiter vertiefen werden. Die Frage nach der Beeinrächtigung ist dabei keine leichte, weil es sich hier auch um die immer wieder gern zitierten “subjekten” Gefühle von Sicherheit handelt und diese vielleicht gar nichts mit dem Sp0rt bzw. dem Vergnügen Sport zusehen zu tun haben. Ich bin gespannt was wir lesen und wie es tatsächlich wird in London in diesem Sommer.
December 12 2011
Sicherheit in Israel
Jeder der eine Reise nach Israel unternimmt und es sehen will, sieht es auch: Kameras, Sicherheitsmaßnahmen, Checkpoints und vieles mehr. Israel ist ein Land der Sicherheit – aus allen bekannten Gründen. Es ist auch ein großartigs und unglaublich vielfältiges Land, dass es mir schwerfällt einfache Antworten zu Gesellschaft, Konflikt oder gar dessen Lösung zu geben. Nach dem Besuch mehr als zuvor.
Dennoch haben mich die Checkpoints, mit denen ich mich seit einiger Zeit in einigen Seminaren beschäftigt habe, nachhaltig beeindruckt. Da wir keine Fotos im Checkpoint machen durften, verweise ich auf die Seite von Machsom-Watch, einer Organisation, die vor Ort den Palästinensern hilft und den Staat nervt, da sie die Situation der Checkpoint unerträglich findet – eine recht milde Beschreibung für das, was da passiert. Aus einer Forschungsperspektive ist die in Architektur gebaute Überwachung, Kontrolle und Sicherheit ein zentraler Punkt. Ein kurzer Vortrag eines ex-Vorstandes von Nice Security, hat da auch vor allem, gezeigt, wie man Probleme produziert für die man die Lösung teuer verkaufen kann – wenn es denn technisch sein soll. Die Frage, die unweigerlich aufkam, war ob eine andere Sicht der Dinge und der möglichen Lösungen, nicht auch den Blick auf die Probleme ändern würde – erzeugte vor allem verwundertes Schulterzucken (keine Überraschung!). Die Militarisierung, wie sie Stephan Graham in Cities under Siege beschrieben hat, ist in Israel an vielen Orten in unterschiedlicher Ausprägung zu besichtigen.
So einfach, so klar, wie die Lage von hier oftmals scheint, ist es nicht – das wird auch dann deutlich, wenn man einmal bei Haaretz die Artikel, vor allem die Leitartikel, nachliest, die sich mit den Widersprüchen der israelischen Gesellschaft, der Politik der Besetzung, der Verteidigung, der Situation eines multi-religiösen Staates und anderen augenfälligen Dingen beschäftigen.
Eine eindeutige Stellung zu der einen oder anderen Seite zu beziehen, fällt mir nicht nur schwer, sondern halte ich auch für unsinning. Dafür ist die Situation zu kompliziert und die Lösungen nicht einfach – eine militärische wird es aber letztendlich nicht sein. Da ist meine Stellung allerdings recht eindeutig.
November 27 2011
Simulationen und Prognosen
In der dradio-Sendung Breitband gab es an diesem Samstag (26.11.2011) eine Sendung mit dem Titel: Wie das Internet Probleme löst. Wie gross ist die Progrnosefähigkeit des Netzes. Anlass waren Forschungsprojekte wie FutureICT u.a.. Ich war Interviewpartner. Das Thema war interessant und die Herangehensweise der Autoren und Moderatoren ebenfalls. Zum Nachhören.
Wie das Internet Probleme löst, dradio – 26.11.2011 – in der Sendung gab es auch etwas zu Algorithmen, könnte sich also mehrfach lohnen.
November 14 2011
RFID: sicher – und geknackt…
Manchmal muss man die Nachrichten im Zusammenhang lesen – und nicht nur auf die Erfolgsmeldungen vertrauen. Auch wenn ich technisch nicht allzuviel davon verstehe, so sieht es doch so aus, dass die Technologie RFID auf durchaus intelligente Weise geknackt wurde. Gleichzeitig bzw. vor und nachher werden die tollen Vorteile der Technik hochgehalten, vor allem wenn es um das Identitätsmanagement geht. “RFID im Blick” berichtet von sicheren Identitäten - Fraport setzt auf RFID-Zutrittskontrolle, immerhin ein empfindlicher Bereich, bedenkt man die Sicherheitsdebatten rund um Flughäfen – und dann dieses: Forscher der Ruhr-Universität Bochum knacken RFID-Verschlüsselung. Und das mit einer Methode, die relativ einfach erscheint, preisgünstig ist und durchaus so klingt, als könnte man das nachahmen. Im Zusammenhang machen die euphorischen Verkündigungen der Sicherheitsindustrie gleich viel mehr Spaß!
October 07 2011
Privatsphäre oder sauberer Sport?
Bei der Tagung Play the Game in dieser Woche in Köln gab es einige interessante Sessions zum Thema Doping. Abgesehen, dass ich davon, dass ich zum, Verhältnis von Doping und Überwachung dort einen kurzen Vortrag gehalten habe, äußerte ein Journalist auf dem Podium einen sehr bedenkenswerten Gedanken.
Gefragt, wie er 1 Million Euro sofort in den Anti-Doping-Kampf einsetzen würde, antwortete er, dass er damit Juristen bezahlen würde, die vor den Gerichten klären sollten, was denn tatsächlich Vorrang haben sollte – Privatssphäre oder die Integrität des Sportes. Ich war verwundert, es klärte sich aber auf, dass er keinesfalls die beiden Dinge gegeneinander abwägen wollte – und auch sah, dass im Namen des Anti-Doping-Kampfes einige elemtare Grundrechte über Bord geworfen werden – zu leicht und unkritisiert, wie ich meine.
Privatssphäre oder Integrität des Sportes – das ist somit die Frage, die ich für interessant und hinsichtlich des Anti-Doping-Kampfes für elementar halte. Mein Gefühl ist, dass die Antwort kein entweder-oder sein wird, noch im gegenwärtig üblichen System des Sport und seiner polit-ökonomischen Bedingungen zu finden sein wird. Die Frage ist aber gestellt und ich bin gespannt auf die Antworten – auch von den Athleten selbst. Ein Forschungsprojekt ist in Vorbereitung, in dem auch dieser Frage nachgegangen werden soll.
What goes on tour…
… will be broadcasted worldwide – könnte man den alten Spruch (..stays on tour..) abwandeln, wenn man den Fall des englischen Rugbyspielers Mike Tindall betrachtet, der beim Knutschen mit einer neuseeländischen Schönen auf CCTV gebannt wurde. Das ist nicht sonderlich interessant, wenn der Nationalspieler nicht auch der Mann von Zara Phillips wäre, der Enkelin der britischen Königin. Verdächtigt wird einer der Türsteher der Bar, das Material verkauft zu haben. Ja, ein Bruch von Gesetzen, Privatsphäre, Datenschutz usw. Fast möchte man meinen das Paperazzi langsam überflüssig werden, wenn die besten Bilder ohnehin die sind, die ganz ohne sie entstehen. Ohne ein moralische Wertung vorzunehmen – die Welt wird auf jeden Fall ärmer ohne Geheimnisse, deren Veröffentlichung weder zum Weltfrieden beitragen, noch die Weltverschwörung schlechthin aufzudecken vermögen. Die Promi-Klatsch-Welt ist auf jeden Fall um eine Geschichte reicher, das wars dann aber auch. Der Versuch totaler Transparenz, unter welchen Argumenten auch immer – hier wohl die Sicherheit einer Bar – untergräbt auch weiterhin Aspekte unserer Gesellschaft, die sich privat oder staatlich in eine Mißtrauensgesellschaft wandelt. Eine solche aber verlangt nur nach mehr Überwachung. Tindall hin oder her, das sind die eigentlichen Botschaften solcher Randgeschichten der Promiwelt. Ob es England geschadet hat, wird sich im Viertelfinale gegen Frankreich zeigen.
September 27 2011
Zaun gegen Obdachlose
Bisher ist das nur eine Hamburger Geschichte, die so weite Kreise nicht gezogen hat. Das kann sich ändern, wenn der Widerstand anhält und die Stadt bzw. der Bezirk Mitte nicht von ihrem Plan ablässt die Obdaschlosen auf diese kurzsichtige Art und Weise vom Schlafen unter einer bestimmten Brücke abzuhalten. Hamburg scheint gerade dabei zu sein, seinen nächsten Ort für Protest und was ich hier einmal mit Gentrifizierungs-Auseinandersetzungen bezeichnen möchte, zu schaffen. Ähnlich dem Gänge-Viertel, dessen Zukunft inzwischen gelöst ist – nach Protesten.
Selbst bei Abwägung aller Argumente auf allen Seiten, bleibt es eine ziemlich unsinnige Aktion – die keine Lösung des eigentlichen Problems herbeiführt, z.B. Schlafplätze für diese Menschen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welches Bild sich Hamburg geben möchte und ob Bezirk und Senat aus vergangenen Krisen dieser Art lernen kann.
September 19 2011
Piratenerfolg
Es wirkt fast irreal. Mit 8,9% der Stimmen ziehen die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus. Die voraussichtlich 14 Mandate können sie mit ihrer 15 Personen umfassenden Liste gerade so auffüllen.
Ein Bundestrend ist das sicherlich nicht. Auffällig ist nämlich ein Spezifikum der Berliner Piratenpartei. Mehr als andere Gliederungen der Organisation in der Vergangenheit hat sie mit mehr als ihren ureigenen Themen punkten können. Es ging also nicht nur um freien Netzzugang, Gegnerschaft gegen Onlineüberwachung oder gegen Überwachung im allgemeinen. Vielmehr haben zumindest die Berliner Piraten den ersten Schritt aus der Single-Issue-Ecke gewagt und Zustimmung auch mit anderen Themen erzielt. Auch wenn sie niemand so recht ernst nimmt – besonders die anderen Parteien und diverse Medienkommentare üben sich doch in einer recht paternalistischen Attitüde – “wilderten” sie erfolgreich mit verschiedenen Fragen im Bereich der libertären Linken. Auf ihrer Agenda standen auch Grundeinkommen, Stopp der Privatisierungspolitik, Wahlrechtsausweitung, Transparenz und Ausweitung demokratischer Mitbestimmung. Nun heißt es gespannt sein, wie sie ihre abstrakten Forderungen in konkrete politische Projekte umsetzen.
August 19 2011
RFID in der Schule
Die Industriepublikation RFID im Blick hat in der Ausgabe vom 2. August einen Artikel zu RFID Anwendungen in der Schule. Da wird von Chip-gesteuerten Trinkwasseranlagen und Klassenbüchern in Tablet-PC-Form erzählt. Und das die deutschen Lehrer Technik-freundlicher sind als ihr Ruf, nur die Schulen oft so schlecht ausgestattet sind. So weit so gut. Insgesamt wird beklagt, das RFID ein Inseldasein im Schulalltag fristet, was angesichts der foldenden Bemerkung zu den elektronischen Klassenbüchern auch ganz gut zu sein scheint:
Positiv sei die transparente Darstellung im digitalen Klassenbuch, die es langfristig sogar Eltern ermöglichen könnte, Eintragungen im Klassenbuch zu lesen. Ziel sei dabei nicht die Kontrolle, sondern die Motivation zur Zusammenarbeit von Schülern, Eltern- und Lehrerschaft. PDF des Beitrages „Schulranzen, Kreide, Pausenbrot…und Tags?” Juniausgabe „RFID im Blick”.
Wo können unsere Kinder denn noch allein bleiben, Verantwortung lernen, ohne dass die Eltern jeden Schritt kontrollieren. Eintragungen im Klassenbuch – so sie denn ein bestimmte Qualität haben und ein gewisses Maß überschreiten – werden irgendwann ohnehin von den Lehrern den Eltern weitergeleitet. Früher hieß das der blaue Brief – heute wohl eher eine alamierende Email. Bis dahin muss der Schüler zu sehen, wie er damit klar kommt oder wie er seine Eltern vorbereitet, sie hinters Licht führt oder was auch immer. Auch Kinder und Jugendliche haben ein Recht, die Welt ohne ihre Eltern zu erkunden und dabei auch auf die Nase zu fallen. Das Prinzip nennt man reifen. Manchmal können Eltern dabei helfen, manchmal sollten sie einfach zu Hause bleiben oder mit ihren Freunden die Geschichten austauschen, die ihre Eltern nie erfahren haben….
Aber ohne böse Absichten zu unterstellen, die Industrie will auch nur ihr Zeug verkaufen. Dennoch müssen die Konsequenzen mitbedacht werden. Das hier wäre so ein Fall.
June 22 2011
Sensoren, Implantate, Fürsorge
Wo die Fürsorge aufhört und die Überwachung anfängt ist oft schwer zu sagen – das Konzept der Überwachung steht seit jeher in diesem Spannungsfeld. Zwei völlig unabhängige Nachrichten bzw. kleine Geschichten aus der Medizin lassen das wieder anschaulich werden. Das man Implantate (im Sinne von Prothesen) von außen erkennen soll, ist sicherlich hilfreich, wenn es um Notfälle geht – aber auch hier lassen sich mit ein wenig Fantasie die “gewanderten Funktionen” weiterdenken.
Ein anderes Projekt mit dem Titel Guardian Angels (NZZ, 1.6.2011) verfolgt ganz andere Ziele – letztlich geht es aber auch hier um die Kontrolle, sogar der Selbstkontrolle und um die eigene Fürsorge
Herr Hierold, was sind die Ziele des Pro jekts «Guardian Angels»?
Wir möchten Konzepte und Technologien für kommunizierende Netzwerke von winzigen Sensoren erforschen, die Personen sehr unauffällig dabei unterstützen, sich selbst und ihre Umgebung besser wahrzunehmen. Eine typische Anwendung liegt im Bereich des Sports: Die Sensoren könnten Blutdruck, Herzschlag und Bewegung messen und dem Träger darüber Feedback geben. Unser Projekt ist aber auch eine Technologieplattform für das Konzept «Zero Power»: Die Sensoren, die Recheneinheiten und die Bauteile für die Datenübertragung sollen so wenig Energie brauchen, dass sie von kleinen «Energiesammlern» mit Energie aus der Umwelt versorgt werden können – aus Bewegungen, Temperaturunterschieden und elektromagnetischer Strahlung, zum Beispiel Licht. Das System soll also ohne externe Energiequellen auskommen.
Was immer man von Doping, den Kontrollen und den durchaus vorhandenen Schwierigkeiten im Hinblick auf die Freiheiten der Sportler hält – hier böten sich aber in der Tat ganz neue Möglichkeiten der Überwachung. Eine Lösung für eine schwieriges Problem – auch weil beim Doping im System Leistungssport nicht immer klar ist, ob es tatsächlich verfolgt oder manchmal auch geduldet wird?
June 07 2011
Noch ein EU Projekt zu Datenschutz und Überwachung
Manchmal scheint es, als wäre Forschung zu Überwachung nur noch durch die anwendungsbezogenen Programme des BMBF und der EU möglich. Das wäre in der Tat schade und kontraproduktiv – wenn es sich denn darauf beschränken würde. Hier ist ein weiteres interessanes Projekt, welches gerade gestartet wurde: SAPIENT.
“If ‘collective security’ demands the surveillance of all movements and all telecommunications and collecting the fingerprints and DNA of everyone living in the EU, there can be no individual freedom, except that sanctioned by the state,” says Michael Friedewald, head of the ICT research unit at the Fraunhofer Institute for Systems and Innovation Research (ISI) and co-ordinator of the project. “EU policy should not foster the gradual move towards a surveillance society. We recommend that before public or private sector organisations adopt any new surveillance system, they should perform a technology and privacy impact assessment of the proposed system.”
Mehr Infos findet man sicherlich auf den Seiten des Fraunhofer ISI Instituts.
Ob dieses Projekt tatsächlich dazu führt über Technologien anders nachzudenken, bleibt abzuwarten. Ohne den politischen Willen zur Implementierung solcher Verfahren in Gesetze, bleibt alles wirkungslos. Was tatsächlich fehlt ist mehr grundlegende Forschung zu Fragen von Überwachung und Kontrolle in unseren Gesellschaften, zum Umgang mit Technik, zur Ideologie der ewige Un/Sicherheit sowie zum Zweck und den oft auch nicht erklärten Zielen politischer Maßnahmen, jenseits von Datenschutz und Privatsphäre. Denn die Surveillance Studies, wenn wir denn davon reden wollen, haben mehr zu bieten als darauf zugespitzte Fragen.
June 02 2011
Den Frosch verjagen!
Richtigstellung (I): Eine der beliebtesten und hartnäckigsten Redewendungen in der Diskussion um Datenschutz, Bürgerrechte, Überwachung usw. ist bekanntlich die vom Frosch, der im langsam erhitzten Kochtopf zu Tode kommt, ohne sich zu wehren (d.h. aus dem Topf zu springen). Damit soll irgendwie zum Ausdruck gebracht werden, dass quasi hinter unserem Rücken sich gewisse Vorgänge abspielen, miteinander verbinden und gegenseitig verstärken, die im Ganzen eines unschönen Morgens dazu führen, dass wir in einer Überwachungsgesellschaft aufwachen, in der eh alles schon zu spät ist.
Abgesehen davon, dass das Bild zur Beschreibung des heutigen Zustandes wenig taugt – Wohin denn würde ein datenschutzbewusster Frosch heute springen wollen? Wo liegt das sichere Jenseits der Überwachung? -, und wir uns das arme Tier eher in der Mitte eines kochenden Swimming Pools vorstellen müssten, ist es zoologisch schlicht Unsinn. In Wirklichkeit ergreift ein Frosch schon ab einer Temperatur von 40° C die Flucht – sofern ein Deckel ihn nicht daran hindert.
Eigentlich interessant ist die Frage, warum Datenschützer, die sich ja auch als Bürgerrechtler verstehen, die Bürgerin oder den Bürger offenbar zwanghaft mit Fröschen vergleichen (oder sogar gleichsetzen?), die auch noch dümmer sind als echte Frösche. Meiner Meinung nach ist diese Redeweise vor allem Indiz einer (uneingestandenen) Überheblichkeit der »wissenden« Datenschützer/Aktivisten gegenüber der »dämlichen« Bevölkerung. Dieser Frosch sollte schleunigst aus der Diskussion verschwinden.
May 19 2011
Der Terrorexperte
Harald Martensteins Glossen und Kolumnen sind nicht immer mein Geschmack und wohl auch nicht jedermanns – aber diese hier ist herrlich und passt auch hervorragend zu unserem Thema: Der Terrorexperte.
Über den Experten Rolf Tophoven, der in der Kolumne nicht vorkommt, dafür aber in der Vergangenheit oft in vielen großen Medien und auch heute noch sehr prominent – immerhin hat er ein eigenes Institut – soll sich jeder per Suchmachine selbst ein Bild machen. Da scheint so manches schief zu sein.
May 15 2011
Die Grenzen Europas…
.. nun auch im gut gemachten Tatort vom 15.5.2011 - “der illegale Tod” von Radio Bremen (hier die Chatseite mit vielen zusätzlichen Hintergründen), bei dem Frontex nicht wirklich gut wegkommt und durchaus wichtige Fragen gestellt werden. Es geht um Flucht, darum das Richtige zu tun, Frontext und die Unmenschlichkeit, mit der die EU ihre (unsere?!) Außengrenzen sichert.
Im Tatort wird auch sehr anschaulich gezeit, welche tollen Technologien und wirtschaftliche Interessen mit den Grenzen zusammen hängen. Ein Bereich von Überwachung, der viel zu wenig thematisiert wird. Dank an den Tatort für einen zumindest publikumswirksamen Versuch. Sonst thematisiert Anne Will gern alles, was vorher im Tatort zum Thema gemacht wurde – Kindstötung, Soldatenheimkehrer usw – Flüchtlinge sind anscheinend nicht Grund genug, die eingefahrenen Muster zu durchbrechen. Wichtiger als die unsägliche Tragödie um die Griechen und ihre Wirtschaft wäre es allemal – zumal die Finanzkrise durchaus weiträumig in der Presse abgebildet ist…
Wer reinschauen will – die nächsten 7 Tage ist der Tatort noch online zu sehen.
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