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January 02 2012
Sichere olympische Spiele
Wie der Guardian berichtet sieht der Chef-Organisator der Olympischen Spiele von London in diesem Sommer entspannt entgegen, vor allem wenn es um die Sicherheitsmaßnahmen geht, die das Fest nicht beeinträchtigen werden.
Olympic security will not overshadow visitor welcome, says Lord Coe. Troop and military hardware deployment will not turn London into a siege city during Games, says head of organising committee. (Guardian, 27.12.2011)
Schwer zu glauben, andererseits, ist London bereits eine “City under Siege”, wie Stephan Graham es beschreiben würde. Die bereits bestehenden Maßnahmen haben aus der Metropole bereits eine Sicherheitsstadt gemnacht – allein die Kameras und der Ring of Steel dürften Anlass genug sein, über die Bemerkungen von Lord Coe zu diskutieren. Der Einsatz von Truppen, also Soldaten, ist auch für Großbritanien, abgesehen von Nordirland, neu. Die Forscher stehen in den Startlöchern und wir werden im Anschluss jede Menge von Analysen bekommen, die am Beispiel der Spiele von London die Verbindungen von Mega-Events und Überwachung weiter vertiefen werden. Die Frage nach der Beeinrächtigung ist dabei keine leichte, weil es sich hier auch um die immer wieder gern zitierten “subjekten” Gefühle von Sicherheit handelt und diese vielleicht gar nichts mit dem Sp0rt bzw. dem Vergnügen Sport zusehen zu tun haben. Ich bin gespannt was wir lesen und wie es tatsächlich wird in London in diesem Sommer.
December 12 2011
Sicherheit in Israel
Jeder der eine Reise nach Israel unternimmt und es sehen will, sieht es auch: Kameras, Sicherheitsmaßnahmen, Checkpoints und vieles mehr. Israel ist ein Land der Sicherheit – aus allen bekannten Gründen. Es ist auch ein großartigs und unglaublich vielfältiges Land, dass es mir schwerfällt einfache Antworten zu Gesellschaft, Konflikt oder gar dessen Lösung zu geben. Nach dem Besuch mehr als zuvor.
Dennoch haben mich die Checkpoints, mit denen ich mich seit einiger Zeit in einigen Seminaren beschäftigt habe, nachhaltig beeindruckt. Da wir keine Fotos im Checkpoint machen durften, verweise ich auf die Seite von Machsom-Watch, einer Organisation, die vor Ort den Palästinensern hilft und den Staat nervt, da sie die Situation der Checkpoint unerträglich findet – eine recht milde Beschreibung für das, was da passiert. Aus einer Forschungsperspektive ist die in Architektur gebaute Überwachung, Kontrolle und Sicherheit ein zentraler Punkt. Ein kurzer Vortrag eines ex-Vorstandes von Nice Security, hat da auch vor allem, gezeigt, wie man Probleme produziert für die man die Lösung teuer verkaufen kann – wenn es denn technisch sein soll. Die Frage, die unweigerlich aufkam, war ob eine andere Sicht der Dinge und der möglichen Lösungen, nicht auch den Blick auf die Probleme ändern würde – erzeugte vor allem verwundertes Schulterzucken (keine Überraschung!). Die Militarisierung, wie sie Stephan Graham in Cities under Siege beschrieben hat, ist in Israel an vielen Orten in unterschiedlicher Ausprägung zu besichtigen.
So einfach, so klar, wie die Lage von hier oftmals scheint, ist es nicht – das wird auch dann deutlich, wenn man einmal bei Haaretz die Artikel, vor allem die Leitartikel, nachliest, die sich mit den Widersprüchen der israelischen Gesellschaft, der Politik der Besetzung, der Verteidigung, der Situation eines multi-religiösen Staates und anderen augenfälligen Dingen beschäftigen.
Eine eindeutige Stellung zu der einen oder anderen Seite zu beziehen, fällt mir nicht nur schwer, sondern halte ich auch für unsinning. Dafür ist die Situation zu kompliziert und die Lösungen nicht einfach – eine militärische wird es aber letztendlich nicht sein. Da ist meine Stellung allerdings recht eindeutig.
September 27 2011
Zaun gegen Obdachlose
Bisher ist das nur eine Hamburger Geschichte, die so weite Kreise nicht gezogen hat. Das kann sich ändern, wenn der Widerstand anhält und die Stadt bzw. der Bezirk Mitte nicht von ihrem Plan ablässt die Obdaschlosen auf diese kurzsichtige Art und Weise vom Schlafen unter einer bestimmten Brücke abzuhalten. Hamburg scheint gerade dabei zu sein, seinen nächsten Ort für Protest und was ich hier einmal mit Gentrifizierungs-Auseinandersetzungen bezeichnen möchte, zu schaffen. Ähnlich dem Gänge-Viertel, dessen Zukunft inzwischen gelöst ist – nach Protesten.
Selbst bei Abwägung aller Argumente auf allen Seiten, bleibt es eine ziemlich unsinnige Aktion – die keine Lösung des eigentlichen Problems herbeiführt, z.B. Schlafplätze für diese Menschen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welches Bild sich Hamburg geben möchte und ob Bezirk und Senat aus vergangenen Krisen dieser Art lernen kann.
June 15 2011
Kontrolle des Urbanen Raumes
Eine Tagung über Akteure, Strategien und Topographien am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität
29. Juni 2011 bis 1. Juli 2011
Humboldt-Universität zu Berlin, Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum,
Geschwister-Scholl- Str. 3, 10117 Berlin
Die Konferenz thematisiert die Pluralität der Kontrollformen und Akteure des Öffentlichen Urbanen Raumes aus komparativer und interdisziplinärer Perspektive. Ziel ist dabei, neue Impulse für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu geben.
Programm und Anmeldung :
http://raumkontrolle.wordpress.com/eine-seite
http://www.euroethno.hu-berlin.de/einblicke/aktuelles/veranstaltungen_content/tagung_kontrolle
Weitere Informationen
Dr.Eszter B.Gantner
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Europäische Ethnologie
Tel.: 030 2093-3702
E-Mail: <mailto:stadtkon@hu-berlin.de>stadtkon@hu-berlin.de
February 02 2011
Kriminelle Orte?
Der Guardian berichtet von den neuen interaktiven Crime maps in Großbritannien, die jetzt veröffentlicht wurden (Guardian. Online crime maps for all streets in England and Wales, 1.2.2011)
Detailed maps providing a monthly snapshot of crime and antisocial behaviour on every street across England and Wales are published for the first time today.
Home Office ministers say it is unprecedented for such interactive crime maps to be published for an entire country and that it has been done without compromising the privacy of victims and witnesses, or having a negative effect on house prices.
Die Aussagen des Home Office finde ich gewagt – denn über die Konsequenzen solcher Kartensysteme lässt sich kurz nach der Inbetriebnahme noch gar nichts sagen. Es funktioniert aber schon – ich frage mich allerdings, ob es nur eine Spielereri mit einem Geo-Daten und Kriminalitätsstatistiken ist oder einen tatsächlichen Mehrwert haben soll – denn dann muss es ja Konsequenzen haben. Zu kommentieren gäbe es jede Menge an diesem Projekt, welches mit 300.000 £ auch nicht gerade billig ist. Wie aussgekräftig sind die dahinter stehenden Statistiken – ich denke an die Schwierigkeiten mit der PKS in Deutschland. Auch geht es nicht nur um Crime, sondern um anti-social behaviour. Was ist das? Warum muss das darin sein. Ein typisches britisches Delikt bzw. ein Phänomen, das vor allem dort große Aufmerksamkeit erfährt und dessen Bearbeitung viel mit Erziehung und Bevormundung zu tun zu haben scheint. Die Ideen sind nicht neu und ich denke auch in Deutschland wird bereits an solchen öffentlichen Projekten gearbeitet. Karten sind ein wunderbares Mittel der Arbeit – auch für die Polizei. Nur in der öffentlichen Verwendung sollte reflektierter mit ihnen umgegangen sein, da Karten auch immer eine Welt schaffen, nicht nur darstellen.
August 05 2010
Konferenz: Urban Security Work Spaces
Urban Security Work Spaces
Policing the Crisis – Policing in Crisis
Berlin, August 28-30, 2010
Rosa Luxemburg Stiftung, Großer Konferenzsaal
The 21st century is witnessing what has been called the »pluralization of policing«: Private security companies have conquered urban spaces and are developing some expertise in public policing. Current studies claim that the private security industry will grow further and take over more tasks formerly executed by state police; at the same time technologies complement and even incur human security work. State police has also undergone significant changes, including commercialization, new public management, and »police-private-partnerships« .
Alongside these developments, the police apparatus has trans-nationalized and rigorous strategies, in particular against transnational protesters, have reemerged significantly since the early 1990s. Last not least, the »policing family« itself diversified, and we can witness (relatively) new phenomena such as nonprofit organizations deploying long-term unemployed as security forces; ›Community Wardens‹ or ›Ambassadors‹ overseen by the local municipalities; or unpaid volunteers policing sports events such as the FIFA World Cup 2006 in Germany. With these in-law family members the tasks of policing extended into the realm of the ›civil society‹, and the consequences still need to be discussed (…)
Mit dabei u.a.:
Oliver Arning, Kirstie Ball, Bernd Belina, Francois Bonnet, Peter Bremme, Kendra Briken, Luis Fernandez, Volker Eick, Jenny Künkel, Massimiliano Mullone, James Sheptycki, Nik Theodore, Eric Töpfer, Alison Wakefield, Charles Woolfson.
Anmeldung:
Via email: policing.crisis AT googlemail.com
Via website: http://www.policing-crowds.org/registration.html
Admission fee: € 20/ € 10 (students, retirees, unemployed)
Note: There is a maximum of 70 participants.
Neuigkeiten gibt es auch auf Twitter: https://twitter.com/workfare
June 11 2010
Kameras beobachten macht verdächtig!
“Die kleinen Brüder von Neukölln” ist der taz-Artikel überschrieben, der sich damit beschäftigt, was passiert, wenn man zu interessiert den aufgestellten Kameras nachspürt – in aller Öffentlichkeit wohl gemerkt. Das passt doch gut zu dem vorherigen Blogeintrag, denn so eine Geschichte wird auch in dem Radiobeitrag geschildert.
An der Schillerpromenade Ecke Kienitzer Straße kommt die Polizei. “Tachchen”, sagt die Beamtin. “Gibt es einen Anlass?” -”Wir machen einen Stadtrundgang”, antwortet Erik. Die Beamtin scheint besänftigt. Doch ein Streifenwagen bleibt der Gruppe auf den Fersen.
Später werden sich alle einig sein: Es ist kein Zufall, dass die Polizei ausgerechnet hier auf die Gruppe aufmerksam wurde. Nur ein paar Meter weiter befindet sich das Quartiersmanagement Schillerkiez. Die Quartiersmanager wollen Viertel attraktiver machen – manche befürchten in Folge dessen steigende Mieten. Der Auftritt der Polizei, plötzlich heruntergelassene Rollläden des Quartiersladens – all das habe mit der Angst der Quartiersmanager zu tun, glauben die Spaziergänger. “Das Quartiersmanagement zeichnet sich außerdem durch das Ignorieren von strukturellen Problemen aus. Über Armut und Rassismus liest man in den Zeitschriften der Quartiersmanagements wenig”, kritisiert Erik.
June 07 2010
Eine Charta für Videoüberwachung
Auf einer Konferenz in Rotterdam wurde vor Ende Mai eine “Charter for the Democratic Use of Video Surveillance” in European Cities” verabschiedet. Veranstaltet wurde die Tagung vom European Forum of Urban Safety. Ein Bericht von der Konferenz folgt laut Webseite noch. Die Charter ist dort aber als pdf verfügbar (es gibt sie auch in französisch).
Zum Sinn und Zweck dieser Charta erläutert by Benjamin Goold (University of Vancouver) wie folgt:
What is the purpose of a charter?
Charters and codes of conduct are frequently referred to as forms of “soft law” or “informal” regulation, as they do not typically give rise to substantive legal rights or interests. It would be wrong, however, to assume that charters are not important forms of internal regulation. By providing a clear set of values and governing principles, they can play a pivotal role in shaping the organisational culture of CCTV schemes, and provide camera operators and scheme managers with goals that can be used to guide everyday decision-making. In addition, they can also serve as a benchmark against which the performance of a scheme can be measured, and provide the basis for more the development of detailed organisational and management guidelines.
April 27 2010
cfp: The New Metropolitan Mainstream
The International Network for Urban Research and Action (INURA) veranstaltet eine Konferenz, auf dessen call for papers auch Themen zu Überwachung und Stadt Platz gefunden haben. Grund genug die Konferenz hier zu bewerben.
“The New Metropolitan Mainstream”
The last 20 years of urban development were marked by enormous urbanisation. Asia, Africa and Latinamerica experienced a tremendous growth of their cities. Besides urban sprawl a huge range of cities and metropolitan regions experienced a reurbanisation and urban renaissance. Globalisation brought about similar developments in inner cities, similar strategies of regeneration and urban transformation, among them culturalisation, privatisation of public goods and liberalisation of housing. Many regions also experienced an ongoing polarisation of urban rich and urban poor. The New Metropolitan Mainstream is found in variations in cities around the globe. The thesis is that there are the same rules that lead to similar results. INURA’s New Metropolitan Mainstream project compares the developments of the last 20 years in more than 20 cities. This will be the framework of debates and the discussions of the 20th INURA conference.
March 03 2010
Extremismuserfahrungen schützen vor übertriebener CCTV-Euphorie
So sieht es zumindest Timothy Garton Ash, dessen Zitat ich heute im Tagesspiegel entdeckte:
“Tatsächlich ist es wohl Ihre Geschichte, die erklärt, warum Sie nicht so enthusiastisch über einen seine Bürger ausspionierenden Staat sind (zum wiederholten Male). So wie es der britische Akademiker und Journalist Timothy Garton Ash – der selbst eine Stasi Akte hatte und darüber in seinem großartigen Buch ["Die Akte Romeo", Anm.) geschrieben hat – aufgezeigt hat: “Precisely because German lawmakers and judges know what it was like to live in a Stasi state, and before that in a Nazi one, they have guarded these things [privacy] more jealously than we, the British, who have taken them for granted. You value health most when you have been sick”.”
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